Abessinien von Hildegard Lena Kuhlenberg

Abessinien

von Hildegard Lena Kuhlenberg

Regie: Claudia Johanna Leist
Produktion: WDR 2005
Länge: 54'

Rosi Kaiser quält sich die Treppe aus ihrer Mansardenwohnung herunter, bewegt sich langsam die Straße entlang und in Gedanken rückwärts durch ihr Leben. Rosi ist alt, unförmig und gebrechlich. Sie trägt ihren grauen Samtmantel mit den rubinroten Knöpfen. Eigentlich wollte sie den Mantel erst wieder anziehen, wenn ihr Verlobter Eugen aus dem Krieg heimkehrt. Er kam nicht wieder. Nur eine Schachtel mit einer Nummer und dem rubinroten Mantelknopf aus Glas, den sie Eugen als Pfand mitgegeben hatte. Ihr Weg führt Rosi noch weiter zurück, zu ihrem Vater, mit dem sie lange allein war nach dem Tod der Mutter und beider Brüder. Und immer wieder zieht Abessinien an ihr vorbei, der Rückzugsort ihrer Phantasie. Als der rote Knopf, der statt Eugen aus dem Krieg zurückkam, auf ihrem letzten Weg von Rosis engem Mantel platzt, durchschreitet sie das Tor nach Abessinien.

Hildegard Lena Kuhlenberg, geboren 1948 in Bochum, studierte Germanistik und Anglistik, schloss ein Schauspielstudium an der Folkwang Hochschule in Essen an und spielte an verschiedenen Theatern, u. a. an den Schauspielhäusern Köln und Bochum.