Der Albino

von Alfred Andersch

Komposition: Johannes Aschenbrenner
Regie: Fritz Schröder-Jahn

Mit Wolfgang Wahl, Wolfgang Büttner, Fritz Schröder-Jahn, Franz Schafheitlin, Ettore Cella

Produktion: SWF/RB 1960
Länge: 67'50

Ein gewaltsamer Tod in Venedig. In Form von zwei Protokollen der italienischen Polizei wird die Existenz eines untergetauchten Gestapomannes nachzeichnet, der einer neonazistischen Organisation angehörte. Der Bericht enthüllt die Rassenideologie eines fanatischen Antisemiten: "Ich erinnere mich daran, wie wir sie vernichteten, die Juden. Zuerst jagten wir sie nur aus ihren Geschäften und Wohnungen in Deutschland. Etwas später karrten wir sie in Güterzügen nach dem Osten und leerten sie in tschechischen, in polnischen, in ukrainischen Kleinstädten aus, propften sie in Häuser hinein. Mit der Zeit entdeckten wir, dass es nichts Besonderes war, sie zu vertreiben. Also fingen wir an, die Juden zu erschießen." Das zweite Protokoll gibt die Aussagen eines englischen Spionage-Offiziers der Royal Air Force wieder, der nach dem Krieg auf den Deutschen in Venedig die tödlichen Schüsse abgab. In Kriegsgefangenschaft geraten, wurde er von diesem nach Folterungen zu Denunziationen gezwungen. Diesen Verrat hat er sich selbst nie verziehen.

Alfred Andersch (1914-80), Schriftsteller. 1933 im KZ Dachau interniert, 1944 nach Italien desertiert. Romane u.a. Sansibar oder der letzte Grund (1957), Hörspiele u.a. Der Tod des James Dean (SWF/HR/RB 1959, BR 1997).