Die alte Frau

von Daniil Charms

Regie: Ulrich Gerhardt
Bearbeiter: Ulrich Simontowitz
Produktion: SFB/SDR 1991
Dauer: 43'21

"Der Wundertäter war von hohem Wuchs" - dies könnte der erste Satz einer genialen Erzählung sein, wie der Schreiber in großer Aufregung konstatiert. Da klopft es an der Tür und eine hässliche Alte tritt herein. Wenig später sitzt sie in seinem Lieblingssessel und stirbt. Ihn ekelt, aber dann schläft er ein. Er träumt ... und als er am nächsten Morgen erwacht, liegt die Alte auf dem Boden. Der Hunger lässt kein klares Denken zu. Er flieht auf die Straße und bändelt in der Schlange vor dem Bäckerladen mit einer jungen Frau an. Doch der Gedanke an die Alte holt ihn ein. Er weiß, er muss die Alte aus dem Zimmer schaffen, ein Unterfangen, das eine immer absurder werdende Dynamik entfaltet.

Mitwirkende:
Michael König - Sprecher/Darsteller

Daniil Iwanowitsch Juwatschow (30. Dezember 1905 - 2. Februar 1942) unterschrieb seine Texte mit verschiedenen Pseudonymen. Sein häufigstes "Charms" war als Künstlername im Pass eingetragen, seinen Vornamen änderte er jedoch nicht. Beinahe wäre Daniil Charms' Werk ins Räderwerk der Geschichte geraten: Bis in die späten 80er Jahre hinein waren die Texte dieses Genies des Komischen und Absurden und Vertreters der Avantgarde in der Sowjetunion verboten und konnten erst im Zuge der Perestrojka gedruckt und damit einer größeren Offentlichkeit bekannt werden. Der Autor selbst verhungerte 1942 in stalinistischer Gefangenschaft, nach Jahren politischer Verfolgung. Nur durch Glück und den Einsatz eines Freundes, des Mathematikers und Philosophen Jakow Druskin, wurden seine Kurzgeschichten, Gedichte, Theaterstücke und Notizen vor dem stalinistischen Terror-Regime gerettet und für die Nachwelt aufbewahrt.