Besuch bei Dr. Guillotin

von Günter Kunert

Regie: Bernd Lau
Produktion: BR 1989
Länge: 52'

Dr. J.I. Guillotin forderte in einer Rede vor der Nationalversammlung am 1. Dezember 1789: "In allen Fällen, in denen das Gesetz die Todesstrafe für eine angeklagte Person vorsieht, soll die Strafart die gleiche sein, welcher Art von Verbrechen sie sich auch immer schuldig gemacht hat. Der Verbrecher soll enthauptet werden, was ausschließlich vermittels einer einfachen mechanischen Vorrichtung durchgeführt wird."

Die maschinelle Enthauptung aus Gründen der Gleichheit durch das Fallbeil, die Guillotine, wird in Deutschland als "barbarisch" abgelehnt. In Günter Kunerts Hörspiel reist auf Einladung Dr. Guillotins der Frankfurter Chirurg Sömmering, der zum Coupieren der Mandeln ein kleines, der Guillotine sehr ähnliches Instrument erfunden hatte, zusammen mit seinem Assistenten Wedekind nach Paris. Zu einem allgemeinen wissenschaftlichen Disput und der Absicht der Deutschen, dem französischen Kollegen die traditionelle und eigentlich "germanische" Hinrichtungsweise wieder schmackhaft zu machen, kommt es nicht mehr. Ein deutscher Zeitungskorrespondent in Paris bringt die später in Deutschland noch "wegweisend" werdende Idee der technisch-medizinisch fortschrittlicheren Tötungsart, die auch hygienischer sei, auf: Tod durch Zyankali.

Mit: Helmut Stange (Professor Sömmering), Axel Milberg (Wedekind, sein Assistent), Ernst Jacobi (Ölsner, deutscher Zeitungskorrespondent in Paris), Klaus Schwarzkopf (Dr. Guillotin), Hans Bergmann (Alphonse, Kellner), Paul Friedrichs (Toilettenwärter)