Bio-Nostalgie

von Sascha Dickel
Sience Fiction

Komposition: Jakob Diehl
Regie: Katja Langenbach
41’12
BR 2007

Die Frau tanzt für ihn vor der Illusion eines Sandstrandes, in einem Werbefilm, den er auf Dauerloop geschaltet hat. Er lebt im Internet, denn die Welt der Netze hat über die Welt des Fleisches gesiegt. Im Jahr 2072 hat die Menschheit ihre lästigen Körper zurückgelassen und existiert nur noch in Form von Datenströmen im Netz. Jeder kann jederzeit kopiert und überwacht werden, und reich ist, wer viel Speicherplatz besitzt. Während ein Teil seines multitaskingfähigen Bewusstseins die Frau aus dem Werbefilm verfolgt, erhält er ein ungewöhnliches Angebot. Zusammen mit ihr soll er an einem Experiment teilnehmen, das zunächst wie ein anachronistisches Spiel für Bio-Nostalgiker erscheint: Für einen Tag haben sie die Möglichkeit, echte Körper zu erhalten, in die ihr Bewusstsein heruntergeladen wird – die Möglichkeit, an einem unvollkommenen, aber wirklichen Strand zu liegen. Doch als alles für den Download bereit ist, führt ihre Sehnsucht nach der Wirklichkeit zu einer unerwarteten Erkenntnis.

Der Science-Fiction-Monolog "Bio-Nostalgie" ist das Siegerstück des Jurypreises im internationalen Autorenwettbewerb "what if" – visionen der informationsgesellschaft, den der Bayerischen Rundfunk und das Online-Magazin telepolis anlässlich des Informatikjahrs 2006 ausgeschrieben hatten.

Sascha Dickel, geb. 1978, lebt in Frankfurt am Main. Autor und Wissenschaftler. Studium der Soziologie und Politikwissenschaft. Dissertation zu biotechnologischen Utopien der Gegenwart. Veröffentlichungen u.a. "Das Gespenst der Globalisierung" in Merkur (2005) und "Bio-Nostalgie" in der Anthologie "Der Moloch und andere Visionen" (2007).