Clara

von Arthur Miller
Aus dem Amerikanischen von Volker Schlöndorff
Regie: Hans Gerd Krogmann
NDR/SWF 1990
53'

1986 erschienen Arthur Millers Stücke 'I can't remember anything' und 'Clara' unter dem gemeinsamen Titel 'Danger: Memory'. Beide Male geht es darum, wie seltsam das Gedächtnis funktioniert: um seine Verleugnungen und Ausfälle, seine selbstschonenden Täuschungen und Schönfärbereien und schließlich die überraschende Preisgabe von Erlebtem, wenn das Tagesbewusstsein die Sperrung aufhebt.
Die 28jährige Clara, aufopfernde Bewährungshelferin für männliche Strafgefangene, ist ermordet worden. Ihr Vater, Albert Kroll, kennt zwar den Täter, doch sein Gedächtnis lässt ihn im Stich. In einem raffinierten, therapeutisch ausgeklügelten Verhör gelingt es dem Kommissar, das Ideologiengebäude des Mannes, das sein Erinnerungsvermögen blockiert, aufzubrechen und an den Namen des Mörders heranzukommen.
Wie in den Stücken 'Tod eines Handlungsreisenden' und 'Hexenjagd' widmet sich Miller dem Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Individuum, sozialer Verantwortlichkeit und Eigennutz. Allerdings gerät hier die Nächstenliebe zur Ideologie der Selbstopferung, deren blinde Realitätsferne zu Gewalt und Zerstörung führt.

Mit Sven-Eric Bechtolf, Peter Fricke, Günter Mack und Katja Teichmann

Arthur Miller, geb.1915, zählt zu den bedeutendsten modernen Dramatikern der USA. Theaterstücke (u.a. 'Tod eines Handlungsreisenden' 1949, dt. 1950, ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis), Romane ('Focus' 1945), Drehbücher (u.a. 'Nicht gesellschaftsfähig' 1960, dt. 1961) und Hörspiele. Jerusalem-Preis 2003.