Creutzer

von Winfried Völlger
Ton: Dietmar Hagen
Regie: Klaus Zippel
Mitwirkende:
Creutzer / Reflektor - Jürgen Hentsch
Else Voigt - Marylu Poolman
Hoffmann - Frank Höhnerbach
Franziska - Franziska Hering
Stephan - Andreas Rehschuh
und Christa Meier, Wolfgang Schmidt, Klaus Andter

Produktion: MDR 1993
Dauer: 53'18

"Ich hätte es wissen müssen." Professor Creutzer, in der DDR Chef einer psychiatrischen Klinik, rekapituliert seine Kollaboration mit der Stasi. Keine Denunziantendienste, das nicht, aber doch jahrelange forensische Gutachten im sogenannten Untersuchungsgefängnis. Er hat nichts vergessen. Nicht den Wortlaut des allerersten schmuddeligen Antrags. Nicht das Zugmittel "offene statt geschlossene Station". Nicht sein Lavieren, als ginge das: Nein sagen und trotzdem gut Freund bleiben. Und nicht die Wehrlosigkeit und den Zorn, als Franziska im Sommer 89 vor dem Abflug nach Ungarn verhaftet wird. Creutzer ist Psychologe, nüchterner Beobachter und Analytiker von Berufs wegen: Nur ist diesmal er selbst das Objekt und seine seltsame Karriere, zuerst nach oben und dann nach unten. Seine Ergebenheit, seine Angst vorm Dissens, die Systeme der Selbstrechtfertigung, der Neid auf die Zivilcourage der anderen - die stehengebliebene Überlebensmaschinerie mit ihren allmählich verrostenden Rädern erweist sich als ziemlich simple Konstruktion. Leider keine Selbsttäuschung mehr möglich, kein Lamento. Nur Ironie, eine Mischung aus Belustigung und Scham. "Ich hätte es wissen müssen."

Winfried Völlger, geboren 1947 in Halle (Saale), gelernter Fotograf, Abitur, Armeedienst, 1968-73 abgebrochenes Studium der Pädagogik und der Mathematik in Halle, arbeitete nach 1973 autodidaktisch vor allem als freier Schriftsteller, war aber auch Regisseur, Grafiker und Bildhauer. Seit 1992 erhält er regelmäßig Lehraufträge (Kreatives Schreiben, Kulturgeschichte, Fotografie, Improvisation), vorwiegend für die Fachhochschule Merseburg und ein privates Bildungs- und Forschungsinstitut in Leipzig. Der Verlag Piatnik (Wien) produziert seit 1998 das von ihm entwickelte linguistische Kartenspiel "Wortmeister". 1996 Stadtschreiber-Stipendium der Stadt Halle. 1997 Ehrengast der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. 2000 Stipendiat der Cranach-Höfe zu Wittenberg, im selben Jahr 1. Preis beim Internationalen Bildhauersymposium im Buchdorf Mühlbeck. Seit 1994 befasst er sich wieder verstärkt mit bildnerischen Arbeiten und mit Musik. Mit seinem jüngsten Projekt Sax & Unhold (sprich: sachs-en-anhalt) experimentiert er im Grenzbereich zwischen Sprache und Musik; er präsentiert seit 2003 abendfüllende musikalisch-literarische Programme (2003: Überschreitungen. Eins, 2004: Überschreitungen. Zwei, 2005: Sax oder Suppe).