Din Juan in den Lüften

von Fritz Rudolf Fries

Frei nach seinem Roman "Alexanders neue Welten"
Bearbeiter: Fritz Rudolf Fries
Regie: Wolfgang Rindfleisch
Produktion: MDR 2005
Dauer: 66'03

Am 9. November 1979 verschwindet eine tschechische Passagiermaschine auf dem Weg von Berlin nach Kuba in der Nähe des berüchtigten Bermuda-Dreiecks von den Monitoren der Flugsicherheit. An Bord befindet sich eine Freundschaftsdelegation der Deutschen Demokratischen Republik, zu der neben dem Dichter und Nationalpreisträger Jean Jacques Cronegk, mehreren Mannequins und einem Musikensemble auch der längst ins Visier der Staatssicherheit geratene Konferenzdolmetscher Ole Knut Berlinguer und dessen Freundin Issy gehören. Zehn Jahre später - böse Rufe der Demonstranten dringen vom Alexanderplatz bis ins Zimmer - liefern sich Berlinguers langjähriger Freund, der Literarhistoriker Dr. Alexander Retard, und der Major der Staatssicherheit, Piet Hagen, ein Duell der Mutmaßungen um die Gründe und Hintergründe. War es ein Unfall, damals? Oder wurde selbiger vorgeschützt, um mit Berlinguer einen zweifelhaften Doppelagenten aus dem Verkehr zu ziehen? Oder - war der leichtlebige, anarchische Freigeist und Don Juan höchstselbst der Anstifter einer Entführung, die ihn vor dem Vaterland der Werktätigen, diversen revoltierenden Liebschaften sowie möglicherweise sich selbst in ein Paradies Utopia flüchten ließ?

Dr. Retards mit Liebe und Geschick angefertigte Tonbandmitschnitte von Gesprächen, Besäufnissen, Beichten, vom akademischen Partyleben made in GDR liefern ebenso unzulängliche Anhaltspunkte für die endgültige Biografie des Freundes wie Hagens Aktenberge. Aber wenn man in der keine Löcher stopfen kann, vielleicht kann man ja in der eigenen welche schaffen: Luftlöcher, Schlupflöcher. Denn "wie real ist die Realität", das ist hier die Frage.

Fritz Rudolf Fries, geboren 1935, wuchs nach Kindheit in Bilbao in Leipzig auf, studierte Romanistik bei Werner Krauss, mit dem er Anfang der 60er Jahre an die Akademie der Wissenschaften nach Berlin ging. Er verlor seine Stelle, als sein erster Roman, "Der Weg nach Oobliadooh", 1966 im Westen erschien. Er schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen, Reisebücher, Essays und Hörspiele. Sein Roman "Alexanders neue Welten. Ein akademischer Kolportageroman aus Berlin" erschien 1982. Der MDR produzierte 1995 sein Hörspiel "Frauentags Ende oder Die Rückkehr nach Ubliaduh" (prämiert mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 1995).