Dubliner

von James Joyce
aus dem Englischen von Dieter E. Zimmer

Regie: Ulrich Lampen
Produktion: BR 2012
Gesamtlänge ca. 8 Std. 30 Min.

James Joyce ist wohl der einzige Autor, der einen literarischen Feiertag geschaffen hat: Am 16. Juni ist "Bloomsday", gewidmet jenem einzigen Tag im Leben des Leopold Bloom, der in Joyce' epochalem Roman "Ulysses" beschrieben wird. Die moderne Odyssee des Leopold Bloom durch Dublin hat ihren Ursprung aber in Joyce' "Dubliner", einem Zyklus von Erzählungen, entstanden zwischen 1904 und 1907. Ursprünglich sollte der Tagesablauf eines Anzeigenakquisiteurs namens Leopold Bloom eine dieser 15 Erzählungen werden. Am "Bloomsday 2012" sendet WDR 3 den gesamten "Dubliner"-Zyklus.

Die Schwestern
Eine Begegnung
Arabia
Eveline
Nach dem Rennen
Zwei Kavaliere
Die Pension
Eine kleine Wolke
Entsprechungen
Erde
Ein betrüblicher Fall
Efeutag im Sitzungszimmer
Eine Mutter
Gnade
Die Toten

"Und zuallererst lese man die Dubliner. Es ist die einzige Möglichkeit, das Werk eines der größten Schriftsteller zu verstehen." So T.S. Elliot über das erste Prosawerk des irischen Dichters und Schriftstellers James Joyce. Die Zeitgenossen von Joyce jedoch reagierten negativ auf seine Geschichten. Der Protest der Leser auf die ersten drei in der Zeitschrift Irish homestead abgedruckten Erzählungen war so stark, dass die vierte Geschichte von der Redaktion abgelehnt wurde. Ein Londoner Verlag gab den Erzählband dann sieben Jahre nach seiner Fertigstellung heraus.

In seinem Zyklus versammelt James Joyce 15 Skizzen des Dubliner Lebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es sind Geschichten aus einer bürgerlichen Welt, die sich nach Aufbruch sehnt und doch erstarrt ist in hohlen Konventionen und in der Ödnis einer Stadt am äußersten Rand Europas. Zeit seines Lebens verband Joyce eine Hassliebe mit seiner Geburtsstadt Dublin, die er 1904 verlassen hatte - unmittelbar bevor er die "Dubliner" begann, und kurz nachdem er, noch in Dublin, seine spätere Frau Nora kennengelernt hatte, genau am 16. Juni 1904, der später zum "Bloomsday" werden sollte.

Mit Christian Friedel, Paul Herwig, Nico Holonics, Florian Fischer, Sylvester Groth, Thomas Thieme, Peter Fricke, Brigitte Hobmeier, Bibiana Beglau, Karin Anselm

Vor 130 Jahren wurde James Joyce geboren, und das Hörspiel feiert den irischen Dichter. Der Zyklus von 15 Erzählungen entstand zwischen 1904 und 1907, erst 1914 fand Joyce einen Verleger. In den relativ kurzen Texten erzählt Joyce von sehr unterschiedlichen Menschen und Ereignissen im alltäglichen Dublin. Dabei finden sich hier schon Themen und Situationen, die Joyce später im Ulysses voll entwickelte: Dublins Straßen und Orte, die brüchige Gesellschaft Irlands zwischen Armut und Modernität, Sprache, Religion und Musik. In den Dubliner-Erzählungen ist das alles noch auf kleinstem Raum verdichtet. In den scheinbar banalen Ereignissen und Gedanken der Figuren sind ihre Lebenswege, Hoffnungen, und Brüche angedeutet.