Die ehrenwerte Gesellschaft

von Dominique Manotti/DOA
Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer
Nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Dominique Manotti & DOA

Regie: Ulrich Lampen
Bearbeitung: Ulrich Lampen
Produktion: SWR 2013
Länge: 55'


Eine Gruppe junger Ökoaktivisten plant einen spektakulären Coup gegen die französische Atompolitik und hackt den Rechner eines Ermittlers des Kommissariats für Atomenergie CEA. Sie übernimmt die Kontrolle der Webcam und wird zufällig Zeuge eines Kampfes zwischen dem Polizisten und zwei Geheimagenten, bei dem der Polizist zu Tode kommt.

Ein Zwischenfall zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, kurz vor dem ersten Wahlgang zur Präsidentschaftswahl. Gegenüber stehen sich derblasse Kandidat der Linken, Eugène Schneider, und der zynische, machtbesessene Pierre Guérin, Finanzminister und Kandidat der Rechten, wenig zufällig an einen gewissen Nicolas S. erinnernd. Tief verstrickt in ein Machtgeflecht aus Politik, Geheimdiensten und den Eliten der französischen Industrie, will der voraussichtliche neue Präsident seinen Förderern die Privatisierung der französischen Atomindustrie auf dem Silbertablett servieren. Von der Polizei als Mörder ihres Kollegen von der CEA verdächtigt, ziehen sich die Ökoaktivisten zurück, um ihren Coup nicht zu gefährden. Doch das Spiel beginnt für sie lebensgefährlich zu werden, denn nicht nur die ermittelnde Kriminalpolizei ist ihnen auf den Fersen, sondern auch die Schergen der Atommafia, die die Aufdeckung ihres Komplotts befürchtet.

Dominique Manotti, geboren 1942 in Paris. Studium an der Sorbonne, danach Professorin für Wirtschaftsgeschichte. 1976-1983 Generalsekretärin der Pariser Sektion der Gewerkschaft CFDT. Politisch geprägt durch den Widerstand gegen den Algerienkrieg und die Mairevolte 1968. Schrieb mit 50 Jahren ihren ersten Roman. Zahlreiche literarische Auszeichnungen.

DOA (Dead on Arrival), geboren 1968 in Lyon. Er arbeitet als Schriftsteller und Drehbuchautor. Sein Pseudonym bezieht sich auf den legendären Film Noir gleichen Namens von Rudolph Maté aus dem Jahr 1950. "Die ehrenwerte Gesellschaft" ist sein fünfter Roman. Für seinen 2007 erschienenen 700 Seiten starken zweiten Noir "Citoyens clandestins" erhielt er den Grand Prix de la littérature policière. Er gilt als einer der herausragenden Vertreter des politischen Roman Noir in Frankreich.

Fesselnd, präzise und schnörkellos werden hier die Korruptheit, die Intrigen und inzestuösen Machtverflechtungen der herrschenden Klasse aufgefächert. Ein mitreißend schneller Rhythmus, sich atemlos überschlagende Ereignisse und packende Dialoge sorgen für höchste Spannung. Eine düstere Affäre, fiktiv und doch so nahe an der Realität, dass es einen frösteln lässt.

Auch vierhändig haben die beiden Autoren nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren. Sie sprengen die Grenzen des Genres, wildern gekonnt auf den Feldern der Polit-Fiction, der sozialen Utopie, des erotischen Polaroids. Dicht, knapp, lebhaft, keuchend, kinematografsch. (Le Monde)

Der Roman kam auf Platz 2 der KrimiZEIT-Bestenliste September und Oktober 2012 und erhielt "Grand Prix de Littérature Policière" für den besten französischen Kriminalroman 2011