Eine Billion Dollar

von Andreas Eschbach
Musik: Henrik Albrecht
Regie: Leonhard Koppelmann
Produktion: SWR 2003
55', 55', 55', 55'

John Salvatore Fontanelli lebt in New York, verdient sein Geld als Pizzafahrer und kann sich davon nicht einmal ein Ticket für die U-Bahn leisten. Bis er am 23. April des Jahres 1995 von einer Erbschaft erfährt, die ihn auf einen Schlag reicher als Bill Gates, die britische Königin, den Sultan von Brunei und die reichsten 200 Menschen der Erde zusammen macht: denn John erbt von einem Vorfahren zehntausend Dollar, die sich innerhalb von fünfhundert Jahren dank Zinseszins auf eine Billion Dollar – 1 000 000 000 000 $ – angehäuft haben. Aber was tun mit soviel Geld? »Was wäre, wenn ich mir jetzt nur noch Ferraris kaufen würde?« fragt er einen seiner Anwälte. »So viele Ferraris gibt es nicht«, lautet die Antwort, »aber dafür werden sie nun über so viel Geld verfügen, dass jede Volkswirtschaft vor Ihnen zittern muss.«
Am 23. April des Jahres 1495 widerfuhr Giacomo Fontanelli im Traum eine Prophezeiung, die ihm gebot, sein Vermögen demjenigen zu vermachen, der in genau 500 Jahren der jüngste seiner männlichen Nachkommen sein würde. Denn dieser Mann wäre auserkoren, den Menschen die verloren gegangene Zukunft zurück zu geben. John Fontanelli ist nun dieser Nachkomme und der weiß inzwischen zwar, dass man Kaviar allenfalls auf dünnem Toast mit ungesalzener Butter, aber niemals mit Sauerrahm oder Anschovis essen darf – nur davon, wie er die Prophezeiung erfüllen könnte, hat er keine Ahnung. In der Presse wird er schon als ein dümmlicher, ignoranter Taugenichts hingestellt, der die Mühe nicht wert ist, die Generationen intelligenter, gläubiger Vacchis an ihn verschwendet haben, um sein Vermögen zu vermehren. Bis sich eines Tages ein geheimnisvoller Anrufer bei ihm meldet.
»Geld ist die größte Kraft auf diesem Planeten. Wenn Sie Geld haben, haben Sie alles andere auch. Sie haben einen Namen. Sie genießen Ansehen. Man erweist Ihnen Achtung. Man liebt Sie! Geld, Mister Fontanelli - ist Macht«. Mit dem Billionen-Erbe seines Urahns und den Ratschlägen von Malcom MacCaine ist John Fontanelli nicht mehr nur der reichste Mensch der Welt, er wird auch zum alleinigen Besitzer des weltweit größten Konzerns mit Sitz in der City of London. Ihm unterstehen Firmen in den strategisch entscheidenden Branchen. »Ihre Billion, Mister Fontanelli, ist viel Geld. Nicht genug, um die Welt zu kaufen - aber genug, um bestimmen zu können, wohin sie rollt.« Die Richtung aufzeigen soll ihm dabei ein kybernetisches Modell, ein Computerprogramm, das die Entwicklung der Welt in allen Bereichen simulieren und die Auswirkung von Entscheidungen auf mindestens fünfzig Jahre vorausberechnen kann. Dieses Programm soll die Welt retten.
Schmerzlich muss der Geschäftsführer von Fontanelli Enterprises, Malcom McCaine, erkennen, dass alles Geld der Welt die Menschheit nicht mehr vor ihrem sicheren Untergang bewahren kann, da der Planet Erde nur für eine begrenzte Anzahl an Menschen Raum zum Leben bietet. Daher gedenkt er nun, seine Pläne zu ändern: »Hunger bietet sich natürlich an. Hunger, das ist ein stiller, unauffälliger Tod. Jedes Jahr sterben Millionen Menschen des Hungers, und das schon seit Jahrzehnten, ohne dass es merklich auf die öffentliche Meinung Einfluss gehabt hat. Verhungernde Menschen sind auch zu schwach, um Kriege anzetteln zu können; ebenfalls ein Argument, das für Hunger als Waffe spricht.«
Abgelenkt von der Liebe zu einer Leipziger Studentin bemerkt John Fontanelli erst spät den Einfluss und die Machenschaften seines Partners. Doch der Verrat öffnet ihm die Augen: endlich beginnt John Fontanelli seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen.

Andreas Eschbach, geboren 1959 in Ulm, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler, bevor er als Schriftsteller tätig wurde.