Ein Feind aus alten Tagen

von Janwillem van de Wetering
Aus dem Englischen von Hubert Deymann
Hörspielbearbeitung und Regie: Peter Michel Ladiges
SWF / NDR 1988
55'

Ein schweres Gewitter tobt über Amsterdam, als Bankdirektor Martin Ijsbreker erschossen wird. Die vier Gestalten, die in sein Haus eindringen, erledigen nur einen Auftrag. Den Lohn erhalten sie später. Bald danach werden drei tote Junkies in einem Hausboot gefunden. Hoofdinspector Malm und Adjutant Guldemeester haben diese Ermittlungen ebenso schnell abgeschlossen wie die beim Tod des Bankdirektors. Klarer Fall: drei tote Junkies = Überdosis Heroin. Ein toter Mann mit Pistole in der Hand und ein Abschiedsbrief auf dem Tisch = Selbstmord. Als der Commissaris von der Badekur zurückkehrt und von seinem Team über die Vorgänge informiert wird, beschließt er, den Fall nicht auf sich beruhen zu lassen. Er kannte den Bankdirektor und vor allem den Eigentümer der Bank, einen gewissen Willem Fernandus, mit dem zusammen er bereits im Kindergarten war. Freunde sind sie aber schon lange nicht mehr. Doch ehe Adjutant Grijpstra und Brigadier de Gier loslegen können mit den Ermittlungen, landen sie im Krankenhaus: Autounfall. Und der Commissaris wird vom Dienst suspendiert, denn die Reichspolizei aus Den Haag ermittelt wegen Korruption gegen ihn.

Janwillem van de Wetering, geboren 1931 in Rotterdam als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, reiste viele Jahre durch die Welt, begann in London ein Philosophiestudium, das er abbrach, um 1958 die Antwort auf seine existentiellen Fragen in einem Zen-Kloster zu suchen. Dort verbrachte er anderthalb Jahre, »ein einschneidendes Erlebnis«, wie er sagt und worüber er 1973 sein erstes Buch schrieb, »Der leere Spiegel«.
Nach Amsterdam zurückgekehrt, ging er jahrelang als uniformierter Polizist Streife, eine Art Wehrersatzdienst, denn durch seine langen Auslandsaufenthalte hatte er sich dem Militärdienst entzogen – und begann, Kriminalromane zu schreiben. Seit 1976 lebt er mit seiner Familie in Maine/USA und ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Niederlande.
Es ist die koloniale Vergangenheit Hollands, die Weterings Amsterdamer Atmosphäre prägt. Seine Betrachtung der begangenen Verbrechen ist leidenschaftslos und unideologisch; die stille, aber spannungsgeladene Ruhe korrespondiert mit einer lakonischen Erzählweise; das Gleichmaß der Dinge, denen ein tieferer Sinn zu fehlen scheint, wird mit einer Art Zen-Gelassenheit betrachtet.