Ein idealer Gatte

von Oscar Wilde

Regie: Heinz Günter Stamm
Bearbeitung: Gerda Corbett
Musik: Rolf Wilhelm
Produktion: RB/BR 1952
Länge: 78'

Vielleicht mangelt es ihr manchmal ein bisschen an Humor, aber davon abgesehen ist die schöne, reiche Lady Chiltern perfekt: warmherzig, klug und von unbestechlicher Moral. Sie und Sir Robert Chiltern, der im Außenministerium eine hohe Position bekleidet, führen eine perfekte Ehe. Da das in ihren Kreisen nicht selbstverständlich ist, hält sie ihren Mann für einen idealen Gatten. Aber dann kommt der Tag, an dem sie seine Ehrenhaftigkeit und damit auch ihre Ehe zusammenbrechen sieht. Mrs. Cheveley, eine durchtriebene Salonbestie, rühmt sich, Sir Robert erpresst zu haben, im Parlament für ein Projekt zu stimmen, an dem sie finanziell beteiligt ist. Sie besitzt nämlich ein Dokument, das beweist, auf welch unfeine Art er sein Vermögen erworben hat. Wenn Lady Chiltern das gewusst hätte, hätte sie ihn nie geheiratet. Das weiß auch Sir Robert, der sich immer so viel Mühe gibt, den idealen Vorstellungen seiner Frau zu entsprechen.

Lord Goring, einem alten Freund der Chilterns, liegen ideale Vorstellungen eher fern. Dafür kennt sich der geistreiche Dandy mit schillernden Damen wie Mrs. Cheveley und ihren Intrigen aus. Und er zögert nicht, eine Gegenintrige anzuzetteln, um den Ruf und die Ehe von Sir Robert zu retten.

Mit: Dieter Borsche, Dagmar Altrichter, Gerda Maria Klein, Gert Westphal u.v.a.

Oscar Wilde (1854-1900) ging nach einem Studium und der Veröffentlichung eines Gedichtbandes nach Amerika und hielt Vorträge über Ästhetik. Seine Freundschaft mit Lord Alfred Douglas, genannt Bosie, wurde ihm 1895 zum Verhängnis: Wegen Homosexualität wurde Wilde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung lebte er, dem Alkohol verfallen, als Sebastian Melmoth in Italien und Frankreich, wo er in Paris im schäbigen Hôtel d'Alsace starb. Dessen Besitzer spendete immerhin als einziger der sieben Teilnehmer an Wildes Beerdigung einen Kranz: »Meinem Mieter«.