Ein Winter unterm Tisch

von Roland Topor
Aus dem Französischen von Marietta Piekenbrock

Regie: Götz Naleppa
Komposition: Susanne Schulz
Produktion: NDR/MDR 1995
Länge: 71'


Sie ist wirklich zauberhaft, seine Mademoiselle Michalon, findet Dragomir, ihr Untermieter. Der Emigrant ist Schuster und froh, eine so günstige Bleibe gefunden zu haben. Dass er sich in seiner Bewegungsfreiheit etwas einschränken muss, nun ja, das bringt das Leben in der Fremde eben so mit sich. Entschädigt wird Dragomir allerdings durch den Wohnort, den ihm Mademoiselle zugewiesen hat. Der befindet sich nämlich genau unter ihrem Arbeitstisch und manchmal ziemlich genau zwischen ihren Schenkeln. Da sind die Umgangsregeln, die sonst ein gewöhnliches Mietverhältnis auszeichnen, beim besten Willen nicht immer einzuhalten, etwa dann, wenn Mademoiselle Michalon einen Knopf verliert. Das scheinbar so festgefügte System von Oben und Unten kann, so die frohe Botschaft des Autors, von einem armen Einwanderer mitunter im Sturm genommen werden.

Die subversive Anleitung, bei der die Erotik nicht ohne Bedeutung bleibt, liefert der Autor in seiner phantasievollen Groteske gleich mit.

Mit: Christin Marquitan, Sven-Eric Bechtolf, Christian Redl, Catrin Striebeck, Matthias Ponnier

Roland Topor (1938-97), Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer, französischer Künstler und Schriftsteller. Während der nationalsozialistischen Besatzung auf dem Land in Savoyen versteckt. Filmplakate u.a. Die Blechtrommel von Volker Schlöndorff, Nosferatu von Werner Herzog. Romane u.a. Der Mieter (1964, 1976 von und mit Roman Polanski verfilmt). Weitere Hörspieladaption Der Kongress reitet (HR/NDR/SDR 1988).