Enigma Emma Göring

von Werner Fritsch


Regie: Werner Fritsch
Komponist: Sam Auinger
Produktion: SWR 2006
Länge: 53'55

Emmy Göring ist eine richtig Süße. Ihr Vater war schließlich Schokoladenfabrikant, und über allem liegt ein flüssigbrauner Guss. Schokoladenbraun auch ihr Gatte, Hermann Göring, und nicht zuletzt der von ihr hochverehrte Führer. Jetzt monologisiert sie als ehemalige Schauspielerin und übriggebliebene Gattin. Sie plaudert in naiv-spießigem Ton aus dem Nähkästchen der schockierendverbrämten Pseudo-Tugendhaftigkeit der Nazi-Elite.

Der fiktive Monolog der 1973 gestorbenen ehemaligen Schauspielerin und Ehefrau von Hermann Göhring, "Enigma Emmy Göring", ist der Versuch zwei Phänomene des vergangenen Jahrhunderts, welche Masseneuphorie und Massenhysterie hervorgerufen haben, auf spielerische Weise ineinander zu spiegeln. Dass diese Wirkungen die denkbar konträrsten sind, ist der Stein, aus dem die komischen, aber auch die abgründigen Funken der Inszenierung geschlagen werden und die gerade dadurch im Idealfall Erkenntnis zulassen.

Insgesamt die Umkehrung all der Texte, die ich geschrieben habe, um Sprachlosen Stimme und vom Vergessen bedrohter Erinnerung Raum zu geben, ist dies Satyrspiel eine Parodie auf die sich allgemach immer breiter machende, immer unkritischere Nazi-Nostalgie, mit der sich die Medien hohe Einschaltquoten erheischen. (Werner Fritsch)

Sprecherin: Irm Hermann - Emmy Göring

Werner Fritsch, geboren 1960 in Waldsassen, wuchs als Bauernsohn in der Oberpfalz auf. Er studierte und lebte bis 1991 als Autor in München. Heute wohnt er in Berlin. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Hörspielpreis der Kriegsblinden 1992. Er schreibt Prosa, Bühnenstücke, Filmdrehbücher und Hörspiele, zuletzt "Jenseits" (SWR 1999), "Das Rad des Glücks" (SWR 2003) und "Nico - Sphinx aus Eis" (HR/SWR 2003).