Es gibt keinen Neuschnee - Eine Lange Kurt-Tucholsky-Nacht

von Hans Bräunlich

1890 in Berlin geboren, war Kurt Tucholsky eine der originellsten Figuren der deutschen Literatur. In der Tradition Heinrich Heines stehend, versuchte er in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts mit seinen satirischen Gedichten, Chansons und Prosatexten verändernd auf seine Zeit einzuwirken. Die entlarvenden Porträts des bornierten deutschen Spießers wie des duldsamen Proleten, der reaktionären Militärs und Politiker wie der sozialdemokratischen Funktionäre machten ihn zu einem der scharfsichtigsten literarischen Chronisten der Weimarer Republik, der ihr schlimmes Ende früh voraussah. Zugleich blieb er ein ironischliebevoller wie scharfzüngiger Beobachter menschlichen Alltags. Ein Thema bewegte ihn besonders: Die konfliktreichen Geschlechterbeziehungen. Denn: der »innerlich weinende Clown«, wie er sich selbst charakterisierte, mochte Frauen sehr und sie fühlten sich offenkundig von ihm ebenso angezogen. Am Ende aber gab es nur eine Frau, der er über den Tod hinaus verbunden bleiben wollte.

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