Das ewige Konzert in New York

von Michael Schulte

Regie: Hans Gerd Krogmann
Produktion: MDR 1992
Länge: 55'

Es gibt Menschen, die springen mithilfe eines Glasfiberstabes, höher als sechs Meter. Es gibt Menschen, die laufen, manchmal mithilfe aufmunternder Pillen, 100 Meter unter 10 Sekunden. Zeit also, dass es Orchester gibt, die 50 Jahre lange (oder noch längere) Konzerte absolvieren. Zeit auch, dass wir uns mit den Problemen vertraut machen, die solche Marathonkonzerte mit sich bringen. Wie z. B. ist das mit Urlaubsansprüchen eines Endlosgeigers? Wie schafft man, notfalls mitten im Takt, einen Ersatzmann auf seinen Stuhl, wenn der Herztod ihn ereilt? Dann das Publikum: Seuchen können ausbrechen, Panik, plötzliche Schlafsucht, kollektive Geschwätzigkeit. Ganz zu schweigen von den übrigen sozialen Bedürfnissen der Konzertbesucher: Hunger, Sexualtrieb, Neugier, Neid - um nur die wichtigsten zu nennen. Und wie, bitteschön, soll man vermeiden, dass diejenigen Nationalitäten das Orchester überfremden, die immer vornedran sind, wenn es um Höchstleistungen geht: die Deutschen und die Japaner.

Mit: Walter Andreas Schwarz (Erzähler), Charles Wirths, Jens Wawrczeck, Peter Hensch, Wolfgang Grönebaum, Ulrike Bliefert, Nina Panzeisen, Rotraut Rieger, Anne Paul (Violine), Marlene Renner (Piano), Cornelia Roth (Kontrabaß)

Michael Schulte, 1941 in München geboren, ist zum ersten Mal als Austauschschüler in den USA, in Philadelphia. Er studiert Germanistik und Philosophie in Göttingen und Frankfurt am Main. Nach Abbruch des Studiums arbeitet er als freier Schriftsteller, geht 1982 in die USA und lebt in New York und in Santa Fe (New Mexico). Ab 1984 betreibt er vier Jahre lang gemeinsam mit seiner Frau eine Kaffeehausgalerie in Bisbee/Arizona. Nach einer Zeit in Deutschland geht er Anfang der 1990er Jahre nochmals für vier Jahre in die USA (New York, Cincinnati/ Ohio). Danach Reisen durch Europa und Asien. Heute lebt Michael Schulte als Maler in Norddeutschland.