Ferbers Mutter

von W.G. Sebald

Bearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt
Produktion: BR 1995
Länge: 56'47

W. G. Sebald entwirft in seinem Erzählungsband Die Ausgewanderten die fiktive Biografie des Malers Max Ferber. In seiner Hörspielbearbeitung konzentriert sich Ulrich Gerhardt auf die Aufzeichnungen von Ferbers Mutter, die zwischen 1939 und 1941 entstanden - kurz vor ihrer Deportation von München nach Riga, wo sie und ihr Mann ermordet wurden. Ihr drohendes Schicksal und die aktuelle Verfolgung bleiben darin unerwähnt. Berichtet wird vielmehr über ein gänzlich unvorstellbares, normales und für das junge Mädchen vorwiegend glückliches, jüdisches Leben in ihrem Geburtsort Steinach in Unterfranken und später zur Kaiserzeit in Bad Kissingen - Orten, deren Bevölkerung seit etwa dem 17. Jahrhundert zu einem Drittel jüdischen Glaubens war. Sie erzählt vom Geschäftsleben des Vaters, der Verwandtschaft, der Schule, den jüdischen Feiertagen sowie dem schmerzlichen Verlust zweier geliebter Männer. In zahlreichen Facetten des ‚normalen' Lebens der Familie wird deutlich, dass viele Juden bis zuletzt nicht glauben mochten, dass aus ihrer allmählichen Verfolgung in Deutschland blutiger Ernst werden würde.

Mit Corinna Kirchhoff, Michael König

Winfried Georg Sebald (1955-2000), geb. in Wertach im Allgäu. Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Werke u.a. Schwindel. Gefühle (1990), Die Ausgewanderten (1992), Austerlitz (2001). Auszeichnungen u.a. Wingate Prize of Fiction (1997), Heinrich-Heine-Preis (2000), Literaturpreis der National Book Critics Circle der USA (2002). Weitere Hörspieladaption: Max Ferber (BR 1994).