Die ganz genaue Erinnerung

von Michael Lentz

Regie: Michael Lentz
Komposition: Gunnar Geisse und Axel Kühn
Produktion: BR 2010
Länge: 70'

Deutschland in den Siebzigern. Oder war es in den Achtzigern? Tatort und Didi Hallervorden. Ein Unfall im Sägewerk. Ulis Lebensfreund ringt mit dem Tod: Cöppecus, eine Plastikfigur aus dem Kaugummiautomaten. Kommt Cöppecus von Köpper, oder hieß der Nachbar so? Grottli, Philipp, der Opa, das Schwein sind weitere Helden aus dem Puppenstaat, der inzwischen 125 Mitglieder zählt. Oder 238. Regelmäßig werden Wahlen durchgeführt. Eine Familie in der Familie. Mit eigenen Wohnungen, einem Schrottplatz und besagtem Sägewerk. Die mit der Zeit körperlich allesamt versehrten Puppen übernehmen das Regime. Kein Weg und keine Stimme führen mehr an ihnen vorbei. Alle müssen dauernd essen. Alle haben dauernd etwas zu kommentieren, etwas auszusetzen, alle beanspruchen die ganze Aufmerksamkeit. Uli nennt seinen Vater immer nur Urmensch, weil er so aussieht. Die Mutter heißt Hund, wegen ihrer Frisur. Ulis Vater ähnelt sehr dem Cöppecus. Und umgekehrt. Kommuniziert wird meistens über die Puppen.

Und dann wird die ganze Bande in einem holländischen Restaurant vergessen. Oder nur Grottli, der Troll aus Norwegen? Ein nicht hinzunehmender Verlust droht. Der Vater zögert: fast 100 Kilometer zurückfahren? Die Mutter erinnert sich, dass sie daraufhin die Oberhäupter des Puppenstaats auf Geheiß von Urmensch verschwinden ließ. Uli kann sich das überhaupt nicht vorstellen. Das wäre auch jetzt noch, vierzig Jahre später, ein totaler Vertrauensbruch. Oder dreißig Jahre später? Oder ist Uli eine Erinnerung von Grottli und Konsorten? Wie hat Cöppecus den Unfall erlebt?