Die Geschichte vom Franz Biberkopf



Regie: Kai Grehn
Musik: Tarwater, Kai-Uwe Kohlschmidt (Komposition), Dan Pelleg und Marko E. Weigert (Glasharfe)
Produktion: SWR/BR/rbb/Patmos 2007
Länge: je Folge ca. 40'

Franz Biberkopf, früher Zement- und Transportarbeiter, will nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ein anständiger Mensch werden. So steht er auf dem Alexanderplatz des alten Berlin und betreibt seine kleinen Handelsgeschäfte. Anfangs geht alles gut, aber die Zeiten sind schlecht.

Biberkopf versucht mit allen Kräften, wieder auf die Beine zu kommen. Dabei wird er von neuen Freunden, denen er vertrauensvoll begegnet, schrecklich übers Ohr gehauen. Er hat aber nicht nur mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, sondern wird schliesslich in einen regelrechten Kampf mit dem unberechenbaren Schicksal verwickelt.

Mit: Andreas Leupold (Franz Biberkopf/Hiob), Andreas Schmidt (Reinhold), Jule Böwe (Mieze), Astrid Meyerfeldt (Eva), Otto Mellies (Sprecher), Arta Adler (Stimme/Tod), Dieter Mann (Hoppegartner/Einer/ 2. Stimme), Florian Martens (Zweiter/1. Stimme), Milan Peschel (Pums), Sven Plate (Meck), Detlef Bierstedt (Lüders), Till Hagen (Klempnerkarl), Rolf Zacher (Richter), Maria Kwiatkowsky (Cilly), sowie Brigitte Grothum, Tilla Kratochwil, Bernd Stegemann, Klaus Herm, Jörg Steinberg, Leo Vornberger, Sonja Hermann, Kai-Uwe Kohlschmidt, Musa Kohlschmidt, Venke Decker, Kai Grehn

Alfred Döblin war mit Berlin eng verbunden. Auf dem Berliner «Mutterboden» wuchs auch sein Roman «Berlin Alexanderplatz», der 1929 erschien. Im Herbst desselben Jahres hielt er einen Vortrag, in dem er sich mit der Frage der «Möglichkeit eines Eintritts von Literatur in den Rundfunk» auseinandersetzte. In seinem Hörspiel «Die Geschichte vom Franz Biberkopf» wollte Döblin dann diese Möglichkeit selbst erproben; es sollte mehr sein, als die blosse Übertragung seines Romans «Berlin Alexanderplatz» in das andere Medium Rundfunk.

77 Jahre später wurde das Originalhörspielmanuskript erstmals ohne jede Kürzung in Szene gesetzt. Kai Grehn nimmt in seiner Inszenierung die Faszination des Autors für das Medium Radio auf. Mit den technischen und stilistischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts bringt er zu Gehör, was Döblin in seinem Hörspielmanuskript als radiophone Spielflächen angelegt hatte. Originaltöne von den Romanschauplätzen und Geräusche des heutigen Berlin werden zur Basis einer Grossstadtmusik, die den Takt für Grehns Interpretation des Stoffes vorgibt und «Die Geschichte vom Franz Biberkopf» ins Hier und Jetzt verlegt. Als Hommage an den grossen Schriftsteller Alfred Döblin treten die Berliner Schriftsteller Thomas Brussig, Tanja Dückers, Judith Hermann, Johannes Jansen, Katja Lange-Müller, Steffen Mensching und Torsten Schulz als Stimmen im Hintergrund auf.