Das Gespenst von Canterville

von Oscar Wilde
Komposition: Benedikt Hoenes
Bearbeitung und Regie: Lilian Westphal
BR 1993
65'30

Mit Rufus Beck, Peter Fricke, Jakob Haas, Dorothee Hartinger, Horst Sachtleben, Julian Sonner u.a.

Obwohl Mr. Otis, amerikanischer Gesandter in England, beim Kauf des Schlosses Canterville vor dem dort hausenden Gespenst gewarnt wird, zieht er kaltblütig mit seiner ganzen Familie ein. Das verstimmt das Gespenst. Immerhin wurde es bisher für diverse Nervenzusammenbrüche, ja sogar für den Tod einiger früherer Schlossbewohner verantwortlich gemacht. Aber die amerikanische Familie stört sich nicht an seinem Treiben. Die Eltern begegnen dem traditionell eingestellten Gespenst mit der Unbekümmertheit moderner, aufgeklärter Menschen. Und die Kinder treiben es zunehmend zur Verzweiflung: Mit Spezialreinigern entfernen sie sein Markenzeichen, den immer wieder auf dem Fußboden erscheinenden Blutfleck, und erschrecken es mit gespensterähnlichen Attrappen.

Wilde widmete 1887 seine erste Geschichte dem obskuren britischen Nationalsport, heimische Gespenster zu pflegen und nicht zuletzt als touristische Attraktion zu verkaufen und karikierte im Gespenst von Canterville, das selber in Angst erstarrt, die konservative Weltsicht des viktorianischen Zeitalters.

Oscar Wilde (1854-1900), irischer Schriftsteller. Werke u.a. 'Der glückliche Prinz und andere Märchen' (1888), 'Bunbury oder Ernst sein ist alles' (Theaterstück, 1895), 'Das Bildnis des Dorian Gray' (1891). 1895 wegen Homosexualität zu Gefängnisstrafe verurteilt. Ab 1897 Exil in Paris.