Glocken des Todes

von Ernst Hall
Bearbeitung: Wolfgang Nied
Musik: Heinz Jahr
Regie: Rolf von Goth
Darsteller: Hermann Lenschau, Helmut Peine, Alf Marholm, Werner Großmann u.a. (siehe Teil 6)
Produktion: Westdeutscher Rundfunk 1964
6 Teile á ca. 40'

Ein regnerischer Herbstabend in einer südenglischen Moorlandschaft. Die Abendandacht geht zu Ende, und eben will der alte Mesner die schwere Tür der Nikodemus-Kapelle schließen, als die Kirchenglocken zu läuten beginnen. Dabei hat niemand das Läutwerk in Gang gesetzt - die Sakristei, in der sich der Schalter befindet, ist verschlossen. Dennoch läuteten die Glocken und erschlugen einen Menschen, der sich im Glockenstuhl aufhielt. Der vom trinkfreudigen Mesner West und und dem herrischen Reverend Ross herbeigerufene Dr. Wyler glaubt, den Erschlagenen anhand eines Siegelringes an dessen rechter Hand identifizieren zu können. Er gehört einem gewissen Albert Darton, dem Sekretär des stadtbekannten Großaktionärs Anthony Mitchell. Der Tote im Glockenstuhl scheint tatsächlich Albert Darton zu sein. Darauf deutet auch ein geheimnisvoller Zettel hin, den Inspektor McFaverham und Sergeant Wellington am Tatort finden. In Druckbuchstaben, die aus den Vordrucken amtlicher Sterbeurkunden geschnitten wurden, ist dort zu lesen:
„ Lieber Albert, wenn du unseren Ausflug in den Zitronengarten noch nicht vergessen hast, so wirst du natürlich auch noch für die Zitronen Interesse haben. Besteige deshalb möglichst unbemerkt den Kirchturm von Glinsborough, stelle dich unterhalb der großen Glocke mit dem Gesicht dicht gegen die Nordwand und dann...“
An dieser Stelle wird der Brief unleserlich - zu entziffern ist nur noch der Schlusssatz:
„ Es grüßt Dich aus dem Jenseits Dein Henry, der die Zitronen nicht mehr benötigt.“
Inspektor McFaverham ist sicher, dass Albert Darton einem äußerst raffinierten Mord zum Opfer gefallen ist. Der Verdacht fällt zunächst auf einen gewissen Amery Lasters, der kurz darauf im Chorraum des Beichtstuhls entdeckt wird. Dieser Mann, der in einer Hütte im Teufelsmoor haust und von Korbflechterei und Handel mit Giftschlangen lebt, gibt allerdings vor, nur aus Neugierde so spät noch in die Kirche gegangen zu sein. Während McFaverham den reichlich zwielichtigen Lasters verhört, beginnen oben im Turm die Glocken abermals anzuschlagen, obwohl Dr. Wyler beteuert, dass niemand am Schaltbrett in der Sakristei gewesen sei. Inspektor McFaverham, Reverend Ross und Dr. Wyler finden im Glockenstuhl den niedergeschlagenen, stöhnenden Mesner West, der auf der Suche nach einer versteckten Brandy-Flasche plötzlich entdeckt hat, dass Dartons Leiche verschwunden ist.
Und tatsächlich: der Tote ist nicht mehr da. Obwohl die Turmluken vergittert sind und kein Mensch den Turm unbemerkt verlassen konnte. Wo also ist der Tote? Und wer hat auch Mesner West in den Tod zu schicken versucht? Inspektor McFaverham stellt fest, dass Albert Darton der Liebhaber der schönen Kerima Mitchell, der Frau seines Chefs, gewesen ist, und so begibt er sich am späten Abend noch zu weiteren Nachforschungen in die Villa der Mitchells, in der in dieser Nacht ein großes Maskenfest stattfindet. Der Inspektor wird empfangen von einem Mann in einem blutroten Scharfrichterkostüm, der sich gleich darauf als Albert Darton vorstellt. Wer aber ist dann der Tote im Glockenstuhl?

Ernst Hall (Pseudonym für Ernst Hassler) wurde 1922 in Komotau/Sudeten geboren. Mit 18 Jahren wurde er Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahn- und Kolchosenarbeiter. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde er Journalist. Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte er Gerichtsreportagen, Feuilletons, Glossen und satirische Plaudereien in Tageszeitungen und Zeitschriften. Ab 1955 lebte er als freier Journalist und Schriftsteller im bayerischen Fürth. 1963 erhielt Ernst Hall für seinen Erstlingsroman „Glocken des Todes“ den Edgar Wallace-Preis. Weitere Krimis: „Höllenflug“ (1965) „Das Ohr“ (1978), „Galgenfrist (1981), „Sie werden sagen, es war Mord“ (1981), „Es lohnt sich nicht mehr“ (1983), „Die Radikalkur“ (1986), „Scheidung auf fränkisch“ (1987).