Das große Identifikationsspiel

von Alfred Behrens

Regie: Alfred Behrens
Komposition: Klaus Schulze
Produktion: BR 1973
Länge: 54'


„Technischer Mord, das Verbrechen der Zukunft; Jack the Tripper macht Menschen zu atmenden Leichen. Hinter der Krimi-Handlung geht es um eine Untersuchung der Beziehung Star/Fan. Komplizierter gesagt: um die detektivische Analyse kommunikativer Prozesse in einer Gesellschaft, die mehr und mehr dazu tendiert, direkten persönlichen Kontakt zu ersetzen durch indirekte, gelenkte Beziehungen zwischen isolierten Individuen und ihren gedruckten, projizierten, gesendeten Leitbildern. In diesem Hörspiel flüchten sich schweridentifizierte Fans bis zum genau berechneten elektronischen Ausflippen ihres Bewußtseins in den Traum, Star zu sein. Dabei unterschlägt die Story nicht die Ambivalenz ihres Themas, unterschlägt nicht den Reiz, den es haben kann, das große Identifikationsspiel zu spielen." (Alfred Behrens)

„Der Autor hat mit außerordentlicher technischer Brillanz und gedanklicher Raffinesse das Problem der Manipulierbarkeit des Bewußtseins in seinem mehrschichtigen - Elemente von Kriminalstück, Satire und Science Fiction kombinierenden - Spiel dargestellt. Sozialkritik ist hier verbunden mit einer detaillierten Kenntnis der Konsumwelt und der Medienrealität, deren Trivialmythen und Mechanismen in einer unverwechselbaren, den Jargon der Bewußtseinsmanipulation schöpferisch nutzenden Sprache entlarvt werden." (Jurybegründung zum Hörspielpreis der Kriegsblinden 1974)

Mit: Christan Brückner, Wolfgang Hess, Leo Bardischewski, Hellmut Lange, Fred Maire, Margot Leonhard, Niels Clausnitzer, Klaus Kindler, Rudolf Neumann, Christian Marschall, Michael Lenz, Manfred Seipold u.a.

Alfred Behrens, geb. 1944 in Hamburg, Schriftsteller, Regisseur, Hörspiel- und Drehbuchautor. Ausbildung zum Verlagskaufmann. Studium des Drucks und der Werbung an der Akademie für Grafik in Berlin. Seit 1968 Arbeit als Journalist, Übersetzer, Autor, Dramaturg und Regisseur. Seit 1974 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Seit 1986 Lehre im Bereich Drehbuch/Dramaturgie in Leipzig und in Potsdam-Babelsberg. Auszeichnungen: Hörspielpreis der Kriegsblinden (1974), Adolf-Grimme-Preis (1983), Hörspielpreis der Akademie der Künste (1987), Premios Ondas (1994), Deutscher Drehbuchpreis (1995), Günter-Eich-Preis (2007). Werke u.a. Gesellschaftsausweis. SocialSienceFiction (1971), Künstliche Sonnen. Bilder aus der Realitätsproduktion (1973), Fernsehliga. Spielberichte vom Fußballgeschäft der Zukunft (1974). Hörspiele u.a. John Lennon, du mußt sterben (SWF 1971), Als Nowhere-Man den Fall erledigt hatte, legte er 'Street Fighting Man' von den Rolling Stones auf (BR/HR 1972), Der unsichtbare Film (RB 1984), Abschied in der Dämmerung (BR/HR 1988), Stealth Fighter - Krieg auf der Autobahn (HR/NDR 1994), Atemlose Stille (NDR 2001), Amok Koma (RBB 2007).