Hunkeler und der Fall Livius

vierteiliges Hörspiel
nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Hansjörg Schneider

Mit: Peter Kner, Ueli Jäggi, Charlotte Schwab, Hanspeter Müller-Drossaart, Isabelle Menke, Martin Hug u.a.
Hörspielbearbeitung: Helmut Peschina
Komposition: Domenico Ferrari
Regie: Reto Ott
Produktion: SR DRS 2007
53'/56'/52'/52'

Ein Neujahrsmorgen im Elsass: Peter Hunkeler, freigestellter Kommissär für besondere Aufgaben im Kriminalkommissariat Basel, wird aus dem Schlaf geklingelt. Man hat die Leiche eines Schrebergärtners gefunden, der in seiner Hütte erschossen und aufgehängt wurde. Von Anfang an gestalten sich die Ermittlungen in diesem Fall schwierig. Das Opfer ist ein Basler Rentner, aber die Basler Stadtgärten- West liegen auf französischem Gebiet. Das führt zu ständigen Kompetenzstreitigkeiten zwischen Basler und Elsässer Polizei. Und auch die aus vielen Nationen stammenden Pächter der Stadtgärten sind heillos untereinander zerstritten. Schließlich finden sich in der Biografie des Opfers Anton Flückiger immer mehr dunkle Stellen. Hunkeler aber ermittelt wieder einmal unbeirrt und auf eigene Faust. Seine Recherche führt ihn ins Emmental und ins Elsass und mitten hinein in eine tief verschneite Landschaft. Und in ein düsteres Kapitel der europäischen Vergangenheit, die so gar nicht zu dem Idyll passen will. Unvermittelt tauchen Ereignisse aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs auf, dessen Wunden im Elsass noch längst nicht verheilt sind. Mit „Hunkeler und der Fall Livius“ legt Hansjörg Schneider den sechsten Roman mit dem beliebten Kommissär vor. Hunkeler gilt als legitimer Nachfahre von Friedrich Glausers Wachtmeister Studer. Glauser hatte am 8. Dezember 2008 seinen 70. Todestag, und noch immer ist die Erzähltradition, die er begründet hat, im schweizerischen Kriminalroman lebendig. Die Geistesverwandtschaft zwischen Kommissär Hunkeler und Studer resultiert aus einer geradezu meditativen Sturheit. Beide haben einen Dickschädel und lassen sich bei der Aufklärung ihrer Fälle von keinem dreinreden. Intuition und Phantasie bestimmen die Art der Ermittlungen; Opfer und Täter nähern sich dabei manchmal auch in ihrer Sprache erstaunlich aneinander an. Die Mentalität der Schweiz wird dabei sehr plastisch. Ein Hunkeler- Fan beschreibt das Wesen des Kommissärs in einem Internet- Blog wunderbar treffend: „Hunkeler geht zu den Leuten hin, lässt sie reden und hält das Ohr offen. Mehr macht er in der Regel nicht. Er ist einer von ihnen. Er leidet mit und kümmert sich. Er ist kein kalter Technokrat oder sturer Beamter. Und leider verpasst er deshalb oft den Anschluss. Die anderen sind häufig schneller. Und effizienter. Und darüber ist Hunkeler dann traurig.“

Hansjörg Schneider, geboren 1938 in Aarau, lebt als freier Schriftsteller in Basel. Dort studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie und promovierte 1966. Schneider gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Dramatikern, daneben schreibt er Romane und Erzählungen. Für sein Schaffen wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So erhielt er 1976 den Welti-Preis für das Drama, 1986 den Aargauer Literaturpreis und den Basler Literaturpreis und zuletzt 1998 für „Das Wasserzeichen“ den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar.