I Furiosi - Die Wütenden

von Nanni Balestrini
Bearbeitung und Regie: Günter Maurer
Produktion: SWR 2002
45'

Sie reisen ihrer Mannschaft durch ganz Europa hinterher. Und hinterlassen Spuren der Verwüstung: zerstörte Sonderzüge, leergeräumte Autobahntankstellen, verletzte gegnerische Fans und Polizisten. Das wird wohl auch bei dieser EM wieder so sein. Mehr noch als das Spiel lieben die Fußball-Hooligans den Ausbruch der sinnlosen, exzessiven Gewalt: "Du bist nie so lebendig gewesen wie in dem Moment", so einer der militanten Fans des italienischen AC Milan. Auswärtsspiel, das heißt bei Abfahrt im Morgengrauen anfangen zu saufen und bei der Ankunft einen demolierten Bus zu hinterlassen. Heimspiel bedeutet, die Anhänger der Gegner schon am Vorabend in der Kneipe fertig zu machen. Das wahre Schlachtfeld liegt außerhalb des Spielfelds.

Nanni Balestrini führte zahlreiche Interviews mit den berüchtigten Ultras des AC Milan, den sogennanten "Rotschwarzen Brigaden". In elf Gesängen erzählen die Ultras von ihrem Feldzug durch die Stadien und ihren ganz persönlichen Lebensgeschichten. In Sprechchören wird die explosive Stimmung der Fankurve herbeigegrölt und die Tristesse der Vorstädte mit Schlachtrufen übertönt.
Nanni Balestrini ist Schriftsteller und linker Aktivist. Er gründete in den sechziger Jahren u.a. mit Umberto Eco die politische Künstlerbewegung "Neoavanguardia". Wegen "Zugehörigkeit zu einer subversiven Vereinigung" wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Erst nach fünf Jahren der Ermittlung wurde er freigesprochen.