Kaltblütig

von Truman Capote
Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen
Nach seinem Roman ”In Cold Blood”
Aus dem Amerikanischen von Kurt Heinrich Hansen
Bearbeitung und Regie: Irene Schuck
Produktion: BR 2002
54', 54', 54'

Es geschah in der Nacht vom 14. zum 15. November 1959. In dem kleinen Ort Holcomb in Westkansas wird die vierköpfige Familie Clutter, die in einem einsam gelegenen Farmhaus wohnt, aus den Betten geholt, gefesselt, und – nachdem die Unbekannten das Haus durchsucht hatten - durch Kopfschüsse mit einem Gewehr getötet. Die Beute: zwischen vierzig und fünfzig Dollar. Den Safe, auf den es die beiden Täter abgesehen hatten – ein ehemaliger Mithäftling hatte ihnen davon erzählt – existierte nicht.
Die Morde geschehen eher zufällig. Ein ”psychologischer Unfall”, wie Capote schreibt. Der 31-jährige Perry Smith und der 28-jährige Richard (Dick) Hickock – beide Außenseiter der Gesellschaft und voller Minderwertigkeitsgefühle – geraten in Streit. Der sensible Perry will dem Angeber Dick beweisen, dass er mehr Mut als sein Kumpel hat. Dass Dick ein Feigling ist. Und dass sein ständiges Gerede, es dürfe ”keine Zeugen” geben, nur Wichtigtuerei war. So kommt es, dass die Familie Clutter brutal ermordet wird. Nach der Tat fliehen die beiden jungen Männer nach Mexiko.
Nach der Tat sind die beiden Mörder, der 31-jährige Perry Smith und der 28-jährige Richard (Dick) Hickock, nach Mexiko geflohen. Dort leben sie von kleinen Gaunereien und lassen sich – zumindest Dick – mit Mädchen ein.
Doch schon nach kurzer Zeit geht ihnen endgültig das Geld aus. Sie kehren in die Staaten zurück. Perry weiß, dass es Wahnsinn ist, ausgerechnet nach Kansas zu fahren – noch dazu mit einem gestohlenen Wagen. Aber er will sich von Dick nicht trennen, glaubt immer noch, dass ihm nichts geschehen kann, solange er sich nicht von ihm trennt.
Während die Polizei in ihrer Fahndung immer näher kommt, fühlt sich Dick völlig sicher. Er unterschreibt gestohlene Schecks mit seinem eigenen Namen. Und hat Glück: die beiden werden zwar erkannt, können aber rechtzeitig nach Miami entkommen – und von da weiter nach Westen, nach Las Vegas.

Am 30. Dezember 1959 werden Perry Smith und Dick Hickock in Las Vegas verhaftet – zunächst nur wegen Scheckbetrugs, denn die Morde können ihnen noch nicht nachgewiesen werden. Aber in den Verhören belasten sich die beiden jungen Männer gegenseitig und gestehen schließlich. Im März 1960 wird ihnen der Prozess gemacht. Sie werden zum Tode verurteilt. Erst fünf Jahre später, im April 1965, wird das Urteil vollstreckt.
In diesen Jahren wird Capote zum engsten Vertrauten der beiden Häftlinge, die ihm völlig ungerührt Vorgeschichte und Einzelheiten der Tat preisgeben. Capote wird zum eigentlichen Kronzeugen des Verbrechens.

Truman Capote gelang mit ”Kaltblütig” ein Welterfolg und eine literarische Sensation: aus 6000 Seiten Notizen zu Ermittlungen des FBI und zu den Interviews, die er über Jahre hinweg mit Beteiligten und Betroffenen – auch mit den Mördern selbst - geführt hat, aber auch aus zahlreichen atmosphärischen Details formte Capote einen, wie er es nannte, nicht-fiktionalen Roman - die exakte Rekonstruktion eines grauenhaften, sinnlosen Verbrechens.
Truman Capote, 1924 in New Orleans geboren, wächst bei seiner Tante in Louisiana auf, geht in New York und Connecticut zur Schule. Als Siebzehnjähriger arbeitet er als Hilfskraft bei der Zeitung ”New Yorker”, lebt von verschiedenen Gelegenheitsjobs. Ab 1943/44 veröffentlicht er die ersten Kurzgeschichten. ”Frühstück bei Tiffany” erscheint 1963, ”In Cold Blood” (”Kaltblütig”) 1966. Capote ist in Amerika eine Berühmtheit gewesen - auch wegen seines aufwändigen und grellen Lebensstils. Er ist im August 1984 in Los Angeles gestorben.