Der Kauf

von Paul Plamper

Regie: Paul Plamper
Produktion: WDR/BR/DLF/Schauspiel Köln 2013
Länge: 69'


Eine Traumwohnung wechselt den Besitzer. Aber was zuerst wie das Versprechen auf vollkommenes Glück aussieht, eskaliert zur zwischenmenschlichen Hölle.

Kann man Glück bauen? Besitzen wir das Eigentum oder besitzt das Eigentum uns? Ausgangspunkt des Hörspiels ist ein unbebauter Ort – eine Brachfläche. "Der Kauf" lädt dazu ein, sich darauf ein Stadtviertel vorzustellen, und skizziert eine mögliche Zukunft der urbanen Leerstelle.

Wenn man im Jahr 2030 über die vielen missglückten Bauprojekte der 2010er-Jahre diskutiert, dann wird dieses Viertel immer als Gegenbeispiel gehandelt werden: keine Gentrifizierung, keine Bausünden. In einem solchen Viertel wechselt die schönste Wohnung den Besitzer. Zwei Paare Mitte Vierzig werden zu erbitterten Gegenspielern im Kampf um eine Immobilie. Geld und die Tatsache, dass Dinge käuflich sind, scheinen allen immer irrationalere Handlungen abzuverlangen.

Mit: Sandra Hüller, Cristin König, Milan Peschel, Jan Henrik Stahlberg, Margarita Broich, Judith Engel, Peter Kurth u.a.

Das Hörspiel "Der Kauf" von Paul Plamper wurde mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD 2013 ausgezeichnet.

Die Begründung der Jury: In Paul Plampers Hörspiel "Der Kauf" streiten zwei Paare um eine Immobilie vom Feinsten – um eine Dachterrassenwohnung mit unverbaubarem Fernblick auf die Kölner Innenstadt, Dom inklusive. Der Kampf um sie fördert in diesen scheinbar so zivilisierten Mittvierzigern Eigenschaften zutage, die sie bis dato nur bei anderen wahrnahmen und eigentlich für verachtenswert halten: Gier, Neid, Intrigenlust, Bösartigkeit. Nach und nach vergiften sie ihr Denken, Empfinden und Handeln.

Paul Plamper erzählt die Geschichte rückwärts – von einem letzten Maklertermin im inzwischen gentrifizierten Viertel bis zur Erinnerung an den Urzustand der früheren Stadtbrache, aus dem zwei Jahrzehnte zuvor der Traum einer gelingenden Urbanität erwuchs. Britta und Achim gegen Dirk und Claire: Was als unverbindliches Gedankenspiel um einen möglichen Verkauf der Wohnung beginnt, endet im rücksichtslosen Kleinkrieg um deren Besitz.

Dass Plampers klar konstruierte Szenen so klingen wie das Leben selbst, liegt an der dramaturgischen wie technischen Raffinesse der Dialogführung – und nicht zuletzt an den großartigen Sprechern: an erster Stelle Milan Peschel als nassforscher Heimwerker Achim, dem Cristin König als Britta, Sandra Hüller als Claire und Jan Henrik Stahlberg als Dirk nicht nachstehen.

"Der Kauf" führt mitten hinein ins Seelenleben der Mittelschicht. Effektvoll und situationskomisch handelt das exzellente Hörspiel von Glücksverlangen, Traumerfüllung und lange unterdrückten Macht- und Bemächtigungsphantasien. Entstanden ist eine Parabel über den Verrat der ökologischen Utopie an den ökonomischen Profit. Opfer des Immobilienkriegs wird am Ende auch das Symbol einer naturnahen Gentrifizierung: der Knöterich, der im ganz Viertel als "grüner Wasserfall" galt.