Ketchup, Karate und die Folgen

von Janwillem van de Wetering
Aus dem Englischen von Hubert Deymann
Hörspielbearbeitung und Regie: Peter Michel Ladiges
SWF 1984
54', 57'

Eigentlich ist nichts passiert. Nur ein Mann mit einem Krückstock schwimmt in einem Kanal, in den ihn die Polizisten »Ketchup« und »Karate« hineingeworfen haben, weil er angeblich randaliert habe. Allerdings scheint Frits Fortune etwas dagegen zu haben, daß man ihn vor dem Ertrinken rettet. Immer wieder schlägt er mit seinen Krücken nach dem Polizisten, der ihm nachgesprungen ist, um ihn aus dem schleimigen Wasser der Keizersgracht zu holen. De Gier beschließt, dem bedrängten Kollegen zu Hilfe zu kommen. Er steigt aus dem Wagen, zieht den Seidenschal aus seinem maßgeschneiderten Hemd, schlüpft aus dem Jackett, zieht das Hemd aus, die Schuhe und die Hose.
» Stark«, sagt eine bewundernde Mädchenstimme.
» Bißchen dünne Beine«, meint eine zweite.
Inzwischen fragt Adjudant Grijpstra die Umstehenden, was denn eigentlich passiert sei. Man erzählt ihm eine seltsame Geschichte: Als Frits Fortune vor kurzem nach Hause kam, war seine Wohnung leergeräumt. Nichts war mehr dort, nur noch die gebohnerten Fußböden. Auch seine Frau, Rea Fortune, war verschwunden.
Daß es sich tatsächlich um einen Kriminalfall handelt, davon ist nur einer überzeugt: Adjudant Grijpstra. Er glaubt steif und fest, daß Fortune seine Frau umgebracht hat. Aber er hat keine Beweise.

Janwillem van de Wetering, geboren 1931 in Rotterdam als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, reiste viele Jahre durch die Welt, begann in London ein Philosophiestudium, das er abbrach, um 1958 die Antwort auf seine existentiellen Fragen in einem Zen-Kloster zu suchen. Dort verbrachte er anderthalb Jahre, »ein einschneidendes Erlebnis«, wie er sagt und worüber er 1973 sein erstes Buch schrieb, »Der leere Spiegel«.
Nach Amsterdam zurückgekehrt, ging er jahrelang als uniformierter Polizist Streife, eine Art Wehrersatzdienst, denn durch seine langen Auslandsaufenthalte hatte er sich dem Militärdienst entzogen – und begann, Kriminalromane zu schreiben. Seit 1976 lebt er mit seiner Familie in Maine/USA und ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Niederlande.
Es ist die koloniale Vergangenheit Hollands, die Weterings Amsterdamer Atmosphäre prägt. Seine Betrachtung der begangenen Verbrechen ist leidenschaftslos und unideologisch; die stille, aber spannungsgeladene Ruhe korrespondiert mit einer lakonischen Erzählweise; das Gleichmaß der Dinge, denen ein tieferer Sinn zu fehlen scheint, wird mit einer Art Zen-Gelassenheit betrachtet.