Lacenaire oder Die Schurkenehre

von Heinz von Cramer

Regie: Heinz von Cramer
Produktion: BR 1991
Länge: 110'

Pierre François Lacenaire lebte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und wurde im Januar 1836 hingerichtet. Seine kriminelle Tätigkeit brachte ihn immer wieder in den Kerker, dort fand er dann die Zeit, seine Memoiren und auch Gedichte zu schreiben. In Frankreich kennt man ihn, nennt ihn einen schwächlichen Urenkel des großen (und wilden) Dichters François Villon. Lacenaire beeinflusste Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud, André Breton und die Surrealisten, die ja immer nach Figuren abseits der traditionellen Literaturgeschichte Ausschau hielten. Lacenaires Lebenserinnerungen sind auf den ersten Blick ein Dokument selbstgerechter und arroganter Grausamkeit. Mord wird für eine elitäre Mutprobe und Kriminalität als Waffe gegen die Gesellschaft ausgegeben: Lacenaire argumentiert bitterernst, nicht einen Funken Ironie zeigt er. "Es ist dem vielfachen Raubmörder Lacenaire jedoch etwas gelungen, wovon viele Autoren nur träumen: sich selber dermaßen hochzustilisieren, dass die Leser an der echten Person jedes Interesse verlieren und hinter der Kunstfigur Lacenaire die Wirklichkeit völlig verschwindet. Er wird zum wehr- und willenlosen Versuchsobjekt für die abstrusesten Theorien der Wissenschaft erniedrigt. Schließlich fragt man sich, wer die eigentlichen Ungeheuer sind - der Mörder oder diejenigen, die ihn verwerten, klassifizieren und endlich mit Zuckerbrot und Peitsche auch noch bekehren wollen?" (Heinz von Cramer)

Mit: Siemen Rühaak, Karl Renar, Michael Habeck, Lukas Ammann, Tillmann Braun u.a.

Heinz von Cramer (1924-2009), Autor und Hörspielmacher. Rund 300 Hörspiele, u.a. Hauen und Stechen oder Das nackte Räderwerk der Politik. Eine Chronik aus dem 15. Jahrhundert nach August Graf von Platen (BR 1992).