Die letzte Visite

Hörspiel in vier Teilen nach dem Roman von Hans Gruhl
Bearbeitung: Hans-Georg Berthold
Dr. Bold - Martin Hirthe
Kommissar Nogees - Arnold Marquis
Dr. Pinkus - Horst Bollmann
Dr. Bierstein - Bum Krüger
Oberschwester Anna - Lu Säuberlich
Krankenschwester Inge - Gisela Fritsch
Krankenschwester Maria - Kläre Rapmund
Petra Radiess - Petra von der Linde
Dr. Edeltraud von Stagg - Alice Treff

Komposition: Peter Schirrmann
Regie: Friedhelm von Petersson
SFB/WDR 1969

44'15 (mono)
41'35 (mono)
42'55 (mono)
53'10 (mono)

Dr. Johannes Bold verspricht sich von seiner Tätigkeit als Röntgenarzt in dem idyllisch gelegenen Waldsanatorium eine eher erholsame Zeit. Doch schon bald nach seiner Ankunft beginnen die Aufregungen: Oberschwester Anna liegt tot in der Pumpenkammer des Turms, der die Klinik mit Wasser versorgt. Ein aus der Fensterfassung herausgebrochener Stein hat sie am Hinterkopf getroffen. Ein Unglücksfall? Möglich. Aber auch ein merkwürdiger Zufall, denn Anna hatte Tags zuvor bei der Inspektion des Giftschrankes das Fehlen von zehn Ampullen Morphium entdeckt und keinen Zweifel daran gelassen, dass sie sich sehr schnell Gewissheit darüber verschaffen könne, wer der Dieb war. Hat sie deshalb sterben müssen?

Zwei weitere Todesfälle halten die Ärzte des Sanatoriums in Atem. Nach dem Morphium ist nun auch die Flasche mit Streptomycin verschwunden, die zur Behandlung des Rechtsanwalts Dr. Bergius verwendet worden war. Bergius hatte sich schon auf dem Wege der Besserung befunden; dann plötzliche Apathie, rapider – Verfall – Exitus. Oberarzt Bierstein hat einen Verdacht: Könnte jemand das Streptomycin mit Morphium versetzt haben, um den Patienten zu töten? Schwester Inge scheint zu wissen, wer die Medikamentenflasche genommen hat, und will es Dr. Bold abends am Wasserturm mitteilen. Aber dazu kommt es nicht mehr. Bold findet sie – erstochen mit einem Skalpell.

Wer in der Klinik, fragt sich Dr. Bold, hatte Grund, zwei Krankenschwestern und einen Patienten umzubringen? Außer ihm selbst waren bei der letzten Punktion des Anwalts Bergius Dr. Bierstein, Dr. Pinkus, Fräulein Dr. von Stagg, die inzwischen ermordete Schwester Inge sowie Schwester Maria anwesend. Einer von ihnen ein Massenmörder? Unvorstellbar. Bold und Stationsärztin von Stagg verabreden sich am Wasserturm, um ein Fenster ausfindig zu machen, hinter dem sie am Abend vor Annas Tod eine Taschenlampe flackern sahen. Hatte die Oberschwester gewusst, in wessen Zimmer sie das gestohlene Morphium suchen musste? Am Treffpunkt beugt sich der Röntgenologe über eine Luke, erhält einen Stoß, und der Deckel über ihm schließt sich. Bold sitzt im eiskalten Wasser in der Falle.

Hans Gruhl, am 25. Dezember 1921 in Bad Altheide/Schlesien geboren, promovierte zum Dr. med. und Dr. phil., war Seemann, Kinderarzt und Verfasser unterhaltsamer Romane. Zu seinen beliebtesten Büchern gehören die Geschichten um den Dackel Blasius (»Liebe auf krummen Beinen« und »Ehe auf krummen Beinen«). Gruhl war zudem einer der wenigen Vertreter deutscher Kriminalliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg, bevor 1962 der Boom des neuen deutschen Krimis einsetzte. Autoren wie Hans-Jörg Martin sehen in Gruhls heiter-spöttischen Kriminalromanen ihr literarisches Vorbild. Am 1. Oktober 1966 hat sich Gruhl beim Ausprobieren einer Szene für einen neuen Kriminalroman versehentlich erschossen.