Luhmann

von Tom Peuckert
Regie: Leonhard Koppelmann
Mit Mark-Oliver Bögel, Martin Bross, Bettina Engelhardt, Matthias Haase, Stefan Kaminski, Rudolf Kowalski, Michael Wittenborn u.a.
Produktion WDR 2006
Länge: 58’40

Der Popstar mit dem Zettelkasten: Der Soziologe Niklas Luhmann (1927-98) gilt als einer der großen Theoretiker des 20. Jahrhunderts, der den Diskurs zwischen Soziologie und Philosophie bis heute mit seinen Thesen belebt. Seine Systemtheorie will nicht nur strukturelle Analyse sozialer Systeme sein, sondern auch Erklärmodell von universaler Reichweite. „Bei Luhmann suche ich nach Antworten auf Fragen, die Arbeitsbasis meiner bisherigen Stücke waren: Leben wir in der besten aller denkbaren Welten? Oder kurz vorm Abgrund? Und warum gibt es auf diese Frage absolut keine sichere Antwort? Mit Luhmann spielt man das Theater des Zweifelns noch einmal durch. So entstehen die Beobachter. Und der Humor. Luhmanns ironische Noblesse im Umgang mit Andersdenkenden – nur starke Charaktere werden das nicht als schallende Ohrfeige empfunden haben. Die Quintessenz der Bielefelder Weisheit: Der gesellschaftliche Spielraum des Menschen ist klein, seine sozialen Wünsche sind riesengroß. Im Grunde eine komische Situation. Schließlich die kuriose Eigendynamik der Mediengesellschaft. Luhmanns posthumer Aufstieg in den Ruhm. Alles redet, niemand liest. Die Clowns betreten die Luhmann-Bühne.“ (Tom Peuckert)

Tom Peuckert, geb. 1962, Autor, Theaterregisseur und Dramaturg. Hörspiele u.a. Reich in Amerika (SFB/ORF 1998, Hörspiel des Monats), 2009 (WDR 2007).