Die Lymphaterische Formel

von Stanislaw Lem
Aus dem Polnischen von Irmtraud Zimmermann-Göllheim
Bearbeitung: Dieter Hasselblatt
Regie: Friedhelm Ortmann
WDR 1974, Länge: 54’02

Wahnsinn aus höchstem Kalkül, Wahnsinn eines überbegabten Wissenschaftlers ist ein Thema, das seit E. A. Poe und Golem zu großen Visionen in Literatur und Film geführt hat. Bestürzung und Faszination, die von diesem Hörspiel ausgehen, beruhen auf der Anschaulichkeit, mit der ungeahnte, aber theoretisch mögliche Perspektiven der Hirnforschung eröffnet werden. Lymphater untersucht die Neurologie von Insekten. Besonders einige rote Ameisen zeigen in völlig ungewohnter Lebenssituation ein Wissen a priori, wie es im selben Prozentsatz bei telepathisch begabten Menschen vorkommt. Er entdeckt, dass bei einer Verbindung von gerinnendem Eiweiß außersinnliches Wissen entsteht. Die Evolution konnte diesen Weg nicht gehen, denn gerinnendes Eiweiß bedeutet Tod. Lymphater aber konstruiert aufgrund dieser Entdeckung eine Maschine, die nicht zu lernen braucht, die sofort alles über die Erde und über das Sonnensystem weiß. Aber er vernichtet dieses nächsthöhere Wesen der Evolution wieder, weil es den Menschen gegenüber nicht anders empfindet als wir gegenüber Vorzeitskeletten. Und nun blättert er seit 30 Jahren die Fachzeitschriften durch, ob jemand auf denselben Weg verfällt. Im Prinzip könnte ihn jeder Wissenschaftler gehen.

Mit Martin Held

Stanislaw Lem (1921-2006), polnischer Schriftsteller, Philosoph, Kulturwissenschaftler. Hörspieladaptionen u.a. Die Mondnacht (BR/NDR/SDR/SFB 1976), Professor Tarantogas Sprechstunde (BR 1977), Solaris (MDR 2006), Test (DRS 2008).