Machandelboom

Hörstück in 5.1

von Rolf Riehm

Regie: Rolf Riehm
Produktion: WDR 1982
Länge: 51'

Im ursprünglich plattdeutschen, dann von den Gebrüdern Grimm adaptierten Märchen vom Wacholderbaum heiratet ein Witwer mit Sohn. Die Stiefmutter tötet den Stiefsohn, damit ihre Tochter alleinige Familienerbin wird. Dem unwissenden Vater kredenzt sie den Sprössling als Braten. Und der lässt es sich schmecken. Die Knöchelchen des Mahls vergraben Mutter und Tochter unter dem Wacholderbaum, wo auch die verstorbene Mutter des Jungen liegt. Der Wacholderbaum hat jedoch magische Kräfte, die vielleicht die Seele der Mutter erwirkte. Er verwandelt den Ermordeten in einen Vogel. Sein betörender Gesang bezirzt einen Müller, der dem Jungen in Vogelgestalt seinen Mühlstein überlässt. Und mit diesem Stein erschlägt dieser die Stiefmutter.

Dieses schaurige Märchen beschreibt die Schnittstelle zwischen Leben und Tod, Magie und Realität: Den fatalen Kreislauf der Gewalt hat Rolf Riehm über eine Collage vielfältiger Stilebenen suggestiv erzählt. Riehm erweist sich hier als ein früher Pionier des (pop)musi-kalischen Hörspiels. SWR2 sendet »Machandelboom« in der neu abgemischten 5.1-Fassung von 2003 zum Gebrüder Grimm-Jahr.

Mit: Rolf Riehm, Alfred Harth, Heiner Goebbels, Chor der Ziehen Schule u.a.

Rolf Riehm,geboren 1937 in Saarbrücken, lebt als Komponist für Neue Musik in Frankfurt am Main. Für seine Orchester- und Ensemblewerke erhielt er u.a. 1992 den Kunstpreis des Saarlandes und 2002 den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau. In den 80-er Jahren realisierte Riehm seine bisher einzigen Hörstücke.