Meeresrauschen 3.2

von Johannes Gelich

Regie: Günter Maurer
Musik: Matthias Schneider-Hollek
Produktion: SWR 2015

"Eigentlich begann alles aus dem Ruder zu laufen, als die Weidenkamps auftauchten. Das heißt, Mama kriegte sich nicht mehr ein, wegen der kleinen Schweinerei, die sie in ihrem Schlafzimmer aufgeführt haben. Sie wäre am liebsten nach oben gelaufen, um denen ihre Meinung zu sagen, aber das ging ja nicht, da wären wir ja alle aufgeflogen. Den Papa nervten ganz andere Dinge, zum Beispiel Woolfi, der Hund. Ohne Woolfi und die Weidenkamps wäre alles glatt gegangen, vermute ich mal, aber da kommen dann doch wieder die Außenreize ins Spiel, das heißt, die anderen; irgendwie gibt es sogar auf diesem engen Raum etwas, das du nicht kontrollieren kannst. Ich würde gerne mal wissen, wie dieses Gesetz lautet, ich meine, es muss ein Naturgesetz geben, und wenn es nicht Woolfi oder die Weidenkamps gewesen wären, dann wäre es etwas anderes gewesen, dann wäre Michelle krank geworden oder ich, ich behaupte mal, das ist ein Naturgesetz, dass irgendetwas aus dem Ruder laufen muss.«

Alle fahren in die Karibik, nur den Hanolds reicht das Geld nicht. Dieser Schande will sich die Familie nicht aussetzen. Also verreisen. Aber wie denn, ohne Geld? Um der Häme der prahlerischen Nachbarn zu entgehen, entsteht die Idee zu einem außergewöhnlichen Projekt: Im Keller Urlaub machen, mal was anderes, denkt sich die Familie Hanold und startet ihr kleines Experiment. Und eigentlich ist der Plan perfekt: Die Nachbarn merken nichts, man spart Geld, und das Urlaubsfeeling schafft man sich mithilfe von Sauna-Wärme und virtuellem Meeresrauschen. Mit Internetverbindung und Proviant müssten sich die zwei Wochen im Keller doch aushalten lassen.

Aber was als stimmungsvoller Ausflug ins eigene Untergeschoss beginnt, mündet in eine schrille Urlaubstragödie. Für Sohn Tom wird das Projekt schnell zum gefährlichen Experiment, für den Vater zur erniedrigenden Hölle. Angespornt vom exzessiven Alkoholkonsum bedroht er seine Familie mit einem Gewehr, bis Tochter Michelle der zunehmend ausweglosen Kellersituation zu entfliehen versucht.

Johannes Gelich, geboren 1969 in Salzburg, lebt in Wien. Nach dem Studium von Theaterwissenschaft und Germanistik in Wien arbeitete er zwei Jahre lang als Auslandslektor in Ias ̧i/Rumänien. Neben Roma­nen ("Wir sind die Lebenden«) und Erzählungen ("Das T-Shirt meiner Frau«) schreibt er fürs Radio u.a. Hörspiele – zuletzt das Kriminalhörspiel "Rabenkinder« (SWR/ ORF 2013).