Der Meister des jüngsten Tages

von Leo Perutz

Regie: Götz Fritsch
Produktion: BR/ORF 1988
Länge: 54'

Wien, kurz vor dem Ersten Weltkrieg: Ein junger Maler ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Sein Bruder, der an die Version eines Selbstmordes in geistiger Umnachtung nicht glauben will, geht dem Fall nach und stirbt nach wenigen Wochen auf die gleiche Weise. Diesen Vorfall erzählt der Hofschauspieler Eugen Bischoff bei einem Hausmusikabend seinen Gästen. Wenige Minuten später ist auch er tot – erschossen. Auf der Tatwaffe finden sich aber nur seine eigenen Fingerabdrücke. Schnell gerät der Rittmeister von Yosch, ein früherer Geliebter von Bischoffs Frau, in Verdacht, den Schauspieler aus Eifersucht in den Selbstmord getrieben zu haben. Der Ingenieur Solgrub dagegen ist von der Unschuld des Rittmeisters überzeugt und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Eugen Bischoffs Mörder.

Um wirkliche und moralische Schuld, um Realität und deren Verdrängung geht es in Leo Perutz’ spannendem Literaturkrimi, den der Schriftsteller Friedrich Torberg so zu beschreiben versuchte: "Ein mögliches Resultat eines Fehltritts von Franz Kafka mit Agatha Christie."

"Was also ist dieser Roman? Ein 'Spannungsroman', wie einst Siegfried Kracauer meinte, oder ein ironischer Roman über die Entstehung von Kunst, wie der Herausgeber Hans-Harald Müller vorschlägt? Es ist vor allem ein Roman, in dem sich die kollektive Verunsicherung über Identität und moralische Festigkeit des Ichs nach den Entdeckungen Freuds und dem Ersten Weltkrieg widerspiegelt. Nicht zuletzt deshalb dürfte Perutz mit seinen Romanen in den zwanziger Jahren zu einem der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren avanciert sein." (Oliver Pfohlmann in der NZZ, 22.11.2006)

Leo Perutz (1882 – 1957), österreichischer Schriftsteller. Aufgewachsen in Prag, lebte ab 1899 in Wien. Studium der Versicherungsmathematik, bis 1923 Angestellter einer Wiener Versicherungsgesellschaft. 1933 Boykott seiner Werke in Deutschland. 1938 Emigration nach Palästina, 1957 in Bad Ischl gestorben. Werke u.a. "Die dritte Kugel" (1915), "Zwischen neun und zehn" (1918), "Der Marques de Bolibar" (1920), "Wohin rollst Du, Äpfelchen…"(1928), "Nachts unter der steinernen Brücke" (NDR 1953). Hörspieladaptionen u.a. "Die grüne Vase" (NDR 1986), "Ein Ungar in New York" (1986), "Modergoddesbrand" WDR 1989), "Spur eines Spuks" (SDR 1997).