Mephisto in Onyx

von Harlan Ellison
aus dem Amerikanischen von Thomas Tebbe
Bearbeitung und Regie: Annette Berger
Produktion: WDR 2003
55'

Er ist klug, gebildet, einfühlsam - aber Rudy Pairis hat für die US-amerikanische Gesellschaft die falsche Hautfarbe. Und Rudy ist nicht nur schwarz, er verfügt auch noch über eine außerordentliche Fähigkeit, die ihm wie ein Fluch vorkommt: Er kann die Gedanken seiner Mitmenschen lesen. Meist passiert ihm das nur in Momenten menschlicher Schwäche, da es ihn vor allem davor ekelt, was er bei seinen Besuchen in fremden Köpfen entdeckt. Dennoch überredet ihn seine langjährige Freundin und heimliche Flamme Ally zu einem Freundschaftsdienst: Für sie soll er die „innere Landschaft“ des berüchtigten Serienkillers Henry Lake Spanning auskundschaften. Von Pairis’ telepathischem Talent erwartet Ally die Bestätigung, dass die 56 grausamen Morde, die Spanning in genauester Recherche nachgewiesen wurden, ein bloßer Justizirrtum sind. Pairis ist entsetzt: Denn Ally selbst ist es gewesen, die den Mörder als Staatsanwältin vor Gericht brachte. Es kann doch nicht nur an den himmlisch blauen Augen dieser Bestie liegen, dass sie plötzlich von der Unschuld des Angeklagten überzeugt ist! Mit der schrecklichen Gewissheit, im Kopf dieses Menschen dessen grausam verstümmelten Opfern zu begegnen, begibt sich Pairis in die Todeszelle.
Wie groß kann das Entsetzen sein, sich selbst ins Gesicht zu sehen? Und wer trifft eigentlich wessen Entscheidungen? „Du hast nur zwei Chancen: keine, oder eine hauchdünne.“

Die interessantesten Details des Lebens von Harlan Ellison, geboren 1934, finden sich in seinen zahlreichen fiktiven Biografien. So habe er etwa aufgrund einer angeborenen Blindheit eine hypersensible Nase: Er könne allein anhand ihres Geruchs ehrliche Bürger von Verbrechern unterscheiden. Diese Fähigkeit hat ihn weit gebracht, unter anderem zu mehr als 75 Büchern und über 1700 Kurzgeschichten, Essays, Artikeln und Drehbüchern. Er wurde mit mehr Preisen überhäuft als jeder andere lebende Fantasy-Schriftsteller. Für „Mephisto in Onyx“ erhielt er den Bram-Stoker-Award.