Mercedes

von Thomas Brasch

Regie: Joachim Staritz
Produktion: MDR 1992
Länge: 83'

Ein Mann und eine Frau begegnen sich auf der Straße. Sie sind arbeitslos, sie haben viel Zeit - zum Beispiel, um sich füreinander zu interessieren. Aber das Gespräch kommt nur schwer über den Abtausch von angeödeten No-Future-Parolen hinaus. Über sich wirklich reden können sie nur, wenn sie sich andere Rollen vorspielen, ein anderes Leben zusammenphantasieren. Der Mann, der sich Sakko nennt, träumt sich zurück in sein Funktionieren in der Arbeit, in der er gebraucht wurde und seinen Platz hatte. Die Frau, die sich Oi nennt, setzt ihre Sehnsucht um in anarchistische, vielleicht kriminelle Energie. Fast sieht es so aus, als gelänge es ihr, Sakko anzustecken; fast sieht es so aus, als würde auf dem Umweg über das immer enthemmtere Spiel für die zwei gestrandeten Einzelnen etwas möglich, was in der stupiden Realität nicht zustande kommt: Nähe.

Wie das geht, hat Thomas Brasch beobachtet und protokolliert, schmerzhaft präzis, das heißt poetisch.

Mit: Horst Kotterba, Margit Bendokat, Wolfgang Winkler

Thomas Brasch, geb. am 19. Februar 1945, aufgewachsen als Sohn eines hohen Parteifunktionärs, 1976 aus der DDR in die Bundesrepublik gegangen, ist mit Gedichten, Filmen und Theaterstücken ("Lovely Rita", "Rotter", "Lieber Georg", "Frauen Krieg Lustspiel") bekannt geworden. Er starb am 3. November 2001 in Berlin.