Mistral

von Hattie Naylor
Aus dem Englischen von Hubert von Bechtolsheim

Regie: Annette Berger
Produktion: SWR 2000
Länge: 56'


Hattie Naylors Figuren bewegen sich oft am Rande der Wirklichkeit. Sie neigen zu leichten Formen des Wahnsinns, hinter dem sich entweder die Verkennung der Wirklichkeit oder aber im Gegenteil ein besonders scharfer Blick auf die Wirklichkeit verbirgt. In ihrem Stück "Mistral" scheint alles dem kleinen menschlichen Glück entgegen zu streben: Jeff und Phylida werden Eltern eines ganz reizenden, selbstverständlich begabten kleinen Mädchens. Wie durchsetzungsfähig dieses zarte Wesen ist, erfährt der junge Vater erst ganz allmählich. Für ihn selbst wird der Bewegungsspielraum in der eigenen Familie immer kleiner, immer enger, und den Ton gibt er längst nicht mehr an. Als Meteorologe sollte er nahende Unwetter zwar prognostizieren können, aber seine fachliche Qualifikation bezieht sich offenbar nur auf die Früherkennung ferner Katatstrophen, während häusliche Gewitterstürme völlig unbeachtet bleiben.

Mit: Helena Knupfer, Ulrike Grote, Sebastian Rudolph, Matthias Haase, Hille Darjes, Bodo Primus

Hattie Naylor, geboren in London, aufgewachsen in Gloucestershire, studierte zunächst Malerei und "Performing Art" bevor sie anfing als Autorin zu arbeiten, schreibt vor allem für Bühne und Oper, auch Hörspiele für die BBC. Ihr Stück "Ivan und die Hunde" wurde im Oktober 2010 mit dem "Tinniswood Award" für das beste Originalhörspiel ausgezeichnet. In Deutschland erschienen die Hörspiele "Im Pappkarton" (1992) und "Geschichten eines Verlusts" (1993).