Montezumas Krone

von Rolf Schneider
Regie: der Autor
Produktion: MDR/SFB 1996/54'

Jeden Morgen pünktlich um neun setzt sich Dr. sc. Olaf Mrosowski an seinen Schreibtisch und erklärt seine Anderthalb-Zimmer-Wohnung zu seinem Büro. Er ist achtundvierzig, geschieden, und war bis zur Evaluierung seines Instituts im Frühjahr 1992 Spezialist für präkolumbianische Hochkulturen Mittelamerikas an der Akademie der Wissenschaften. Danach entsann er sich notgedrungen einer alten Passion für Raymond Chandler und verlegte sich auf "Recherchen". Ehemänner, Ehefrauen, das Übliche. Auch die Sache mit Samuel Flieg scheint anfangs Routine zu sein. Über dessen Firma allerdings, der Impex Berlin GmbH, ist nicht viel rauszukriegen. Welche Geschäfte führen den staatenlosen Samuel Flieg, Träger des Karl-Marx-Ordens und bis 1990 Leiter der Firma Mooshammer KG mit Niederlassungen in Berlin, Vaduz und Brüssel, plötzlich zur Austria Export GmbH einer Kommerzialrätin Adler? Immerhin könnte eine Dienstreise nach Wien dem Ex-Historiker und Ex-DDR-Bürger Olaf Mrosowski die Gelegenheit bieten, Montezumas Federkrone im Naturhistorischen Museum zu sehen - aber daraus wird nichts.

Rolf Schneider, geboren 1932 in Chemnitz, gehörte zu jenen Autoren der frühen DDR, die auch in der Bundesrepublik bekannt wurden. 1966 wurde ihm für sein Hörspiel "Zwielicht" der "Hörspielpreis der Kriegblinden" verliehen. Nach seiner Unterzeichnung einer Protestresolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann (1976) war Schneider zunehmend dem Druck der DDR-Kulturbehörden ausgesetzt. 1979 wurde er aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen; er verzichtete jedoch nach der Wende auf eine Mitgliedschaft unter dem Präsidenten Hermann Kant, der damals seinen Ausschluss bewirkt hatte. Schneider schreibt Prosa, Theaterstücke, Hör- und Fernsehspiele

 

 

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