Nachrufe

von Günter Kunert

Regie: Stefan Kanis
Komposition: Michael Hinze
Produktion: MDR 2012
Länge: 50'

Im beschaulichen Klüvershagen ist das jährliche Winzerfest schon deutlich mehr, als ein kleiner Höhepunkt. Mit Vor- und Nachberichterstattung hätte Lokalreporter Knetzschmer gut zu tun. Und der "Klüverbote" - das örtliche Presseorgan - einige Seiten erbaulich gefüllt. Chefredakteur Borgmann erwartet vollen Einsatz. Doch Knetzschmer ist nicht bei der Sache. Ihm will der alte Hasel, das Ortsfaktotum, nicht aus dem Kopf. Vor ein paar Tagen segnete die Bastlerseele das Zeitliche und sein letztes Kunstwerk, halb Führerstand, halb Schleudersitz, ist seitdem verschollen. Letzter bekannter Aufenthalt: der örtliche Schrottplatz. Nun wird das Teil vermisst.

Soweit so gut, wenn nicht auch Herr Pauli, der Eigner der Schrotthandels, erst verschwunden und ein paar Tage später verstorben wäre. Alles Zufall? Kann gut sein. Aber da ist noch der Chinese. Der wohnt seit ein paar Tagen im Ort und streunt des Nachts Richtung Recyclinghof. Was treibt den Mann aus Fernost nach Klüvershagen? Krumme Geschäfte mit dem toten Schrott-Pauli? Edelmetalle? Feine Erden? Und warum kauft der Chinese jeden Tag Unmengen Mineralwasser? Knetzschmer steht vor jeder Menge wichtiger Fragen. Lebenswichtiger Fragen.

Mit: Devid Striesow, Dieter Mann, Hille Darjes, Heidi Ecks, Bettina Kurth, Nicoline Schubert, Frank Jordan, Thomas Neumann, Jörg Schüttauf, Peter Wilczynski, Harald Bohner, Sascha Mock, Matthias Büttner, Michael Hinze

Günter Kunert, geboren 1929 in Berlin, veröffentlichte neben zahlreichen Gedicht-, Prosa- und Essaybänden sowie der Autobiografie "Erwachsenenspiele" seit den 70er Jahren etwa zwei Dutzend Hörspiele. Zuletzt "Ostragon und Wessimir" (MDR/ ORB 1993), "Fantasien über das Verbrechen" (MDR 1994), "Am Sexophon: Esmeralda" (MDR 2001), "Die Puppe" (MDR 2004), "Keine weiteren Vorkommnisse" (MDR 2008) und "Der Gondoliere von Itzehoe" (MDR 2011).