Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen

von Friedrich Dürrenmatt

Regie: Kurt Bürgin
Produktion: SRF 1961
Länge: 38'

Ein frühes Hörspiel von Dürrenmatt, geschrieben 1951. Das Thema: der Dichter und der Tod. Ort und Zeit: überall. Ein zum Tode Verurteilter erhält zu Hause Besuch - durch das Fenster. Es ist der Henker. Der Verurteilte soll unauffällig beiseite geschafft werden. Und dann beginnt es.

Was die beiden einander sagen, vor dem tödlichen Stich, sind keine erhabenen: es sind einfache Worte. Und ein ausgeleiertes Wort wie Demut gewinnt in diesem Gespräch wieder Sinn. Dürrenmatt hat das Hörspiel im Untertitel einen «Kurs für Zeitgenossen» genannt. Es ist ein Kurs in der Kunst des Sterbens in einer Welt, in der die Gerechtigkeit immer wieder eine andere ist.

Zeitgenössisch ist das Hörspiel auch heute, 60 Jahre nach seinem Entstehen noch – in einer Welt, in der regimekritische Schriftsteller, Menschenrechtler und Andersdenkende unter den Augen der Öffentlichkeit drangsaliert, verhaftet, unter Hausarrest gestellt oder totgeschwiegen werden. Wir senden das Hörspiel in Anlehnung an die Premiere eines neuen Dokumentarfilms über Dürrenmatt. «Friedrich Dürrenmatt – Im Labyrinth» setzt dem Menschen, Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt ein innovatives filmisches Denkmal: Durch die Montage von authentischen Aussagen und Bildern aus nationalen und internationalen Filmarchiven wird die Illusion einer Ich-Erzählung geschaffen. Dürrenmatt begegnet uns dadurch so persönlich und nah wie nie.

Mit: Adolph Spalinger (Der Mann) und Hanns Ernst Jäger (Der Andere).

Friedrich Dürrenmatt, 1921 in Konolfingen/Kt. Bern geboren, begann früh zu schreiben und zu zeichnen. 1950 erster Erfolg auf deutschsprachigen Bühnen mit «Die Ehe des Herrn Mississippi». 1956 eroberte er schliesslich mit «Der Besuch der alten Dame» die Bühnen der Welt. Im selben Jahr erhielt er für «Die Panne» den Hörspielpreis der Kriegsblinden. 1990 starb Dürrenmatt in Neuchâtel, wo er seit 1952 gewohnt hatte.