Orwell brachte mir drei jahre Zuchthaus ein...

Vom heimlichen Lesen in der DDR
Feature von Ingo Colbow

Dauer: 60'00
Produktion: MDR 2008

In den ersten Jahren nach dem Fall der Mauer erinnerten sich viele in den unterschiedlichsten Farben der vermeintlich guten Seiten der untergegangenen DDR. Besonders gern sang man das Lied vom "Leseland DDR" - einem Land, in welchem das Lesen in hohem Ansehen stand und die Literatur durch den Staat gefördert wurde. Erst heute, mit dem historischen Abstand von mehr als 15 Jahren, hört man auch Stimmen, die davon erzählen, wie gerade das Lesen - das Sich-bilden-Wollen - in der DDR bis ans Ende ihrer Tage gefährlich sein konnte. Noch Anfang der 80er Jahre wurde ein Jenaer Theologiestudent wegen der Lektüre Orwells ins Gefängnis geworfen.

Wie kaum in einem anderen Bereich der Gesellschaft offenbart sich gerade beim Thema Lesen, wie repressiv die DDR-Staatsführung reglementierte, wer was in diesem Land zu lesen bekommen durfte. Und diese andere Seite des ‚Leselandes DDR' erschließt sich am besten, in dem man diejenigen fragt, die für ihre Lust am Lesen bitter bestraft wurden.