Ostsee

von Julian Doepp

Komposition: tarwater
Realisation: Julian Doepp
Produktion: BR 2010
Länge: 55'

Ein kalter Februar. Ein Kongress über "Virtuelle Gemeinschaften" in einer Universitätsstadt nahe der Ostsee. Der Doktorand Jakob fühlt sich fehl am Platze. Von seinem Professor wird er als technischer Assistent abgestellt, den Glauben an seine Dissertation hat er längst verloren. Doch nach einem der Vorträge bittet Yael, eine junge Dozentin, ihn um Hilfe. Ein Freund ist verschwunden. Der Videospiel-Designer Hiztory, den sie im Netz kennenlernte, hat seine virtuelle Identität gelöscht. Die einzige Chance, ihn zu finden, besteht in einer von Jakob entwickelten Suchmaschine: ein Programm, das Texte im Internet stilistisch vergleicht und dadurch den Autor aufspüren kann. Die Chats und Mails, mit denen Jakob die Suchmaschine füttert, sind Bestandteile einer zerrissenen Liebesgeschichte. Sie berichten von digitaler Keuschheit, von der Angst vor der Wirklichkeit und von Yaels Plänen für ein Computerspiel, dessen Ziel ein guter Tod ist. Und er erfährt, dass Hiztory kurz vor seinem Verschwinden von Selbstmord sprach. Als Yael und Jakob eine Nacht miteinander verbringen, nimmt eine elektronisch vermittelte Dreiecksbeziehung ihren Lauf.

Halb akademische Detektivstory, halb Melodram aus dem vernetzten Alltag, erzählt Ostsee von den verwirrenden Wechselwirkungen zwischen Gefühlen in der virtuellen und der 'realen' Welt, zwischen Nähe und Information, Voyeurismus und Vertrauen.

Julian Doepp, geb. 1970. Journalist , Autor und Moderator. Zahlreiche BRRadiofeatures u.a. "zu wüten gegen eine stummes Ding". Moby-Dick und das Radio (BR 2002), Jedermann sein eigener Sender: Radio als Utopie (2004), Kunst und Zerstörung (2008). Ostsee ist sein erstes Hörspiel.