Pelle, der Eroberer

von Martin Andersen Nexø

Dauer: je 50'00
Produktion: MDR 2004
Regie: Götz Fritsch
Bearbeiter: Caren Fischer
Komponist: Paul Hoorn

Teil 1

MDR FIGARO produzierte im Jahre 2004, anlässlich des 50. Todestages von Martin Andersen Nexø, den ersten Band seines weltbekannten Romans "Pelle der Eroberer" als Hörspielversion. Es ist die Geschichte von Pelle und seinem Vater Lasse, die sich auf einem Gutshof auf der dänischen Insel Bornholm verdingen, wo die verarmte schwedische Landbevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar Arbeit fand, sich dafür aber in eine fast an Leibeigenschaft grenzende Abhängigkeit begeben musste. Zwischen diesen verbitterten und oft gewalttätigen Erwachsenen erfindet der Junge Pelle sein Leben und wächst an dessen Widrigkeiten. Trotzdem wird es sieben Jahre dauern, bis er den Hof verlässt, um in die Welt und in ein neues Leben aufzubrechen, von dem er mehr erwartet, als für ein bisschen Salzhering und Suppe 14 Stunden täglich zu arbeiten, so wie Vater Lasse es ein Leben lang getan hat. Pelle ist erst sieben Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Sein einziger Halt im Leben ist nun Vater Lasse, der mit ihm die Überfahrt von Schweden auf die Insel Bornholm wagt, um dort Arbeit zu finden. Aber wer will schon einen ausgezehrten älteren Mann mit einem kleinen Jungen? Schließlich nimmt man sie auf dem berüchtigten Steinhof, wo der Verwalter mit Schlägen und Repressalien regiert und die Nächte vom Weinen der Gutsherrin erfüllt sind. Nur im Sommer ist Pelle als Kuhhirte sein eigener Herr und genießt die Freiheit draußen auf den Wiesen. Zunächst allerdings hat er große Schwierigkeiten, mit den ungestümen Jungtieren fertig zu werden. Aber bald fühlt er sich als König der Kühe und genießt seine Freiheit mit der gleichen Intensität, mit der er jeden Abend vor Sehnsucht ganz müde in Vater Lasses Arme fällt. Dass er aber einen viel größeren Hütejungen verprügelt, weil der seinen Vater beleidigt hatte, wird Lasse nie erfahren. Dann kommen die dunklen Wintermonate, und die Knechte lassen keine Gelegenheit aus, böse Scherze mit Pelle zu treiben. Er lernt, seine Gefühle zu verbergen, und auch am Weihnachtsabend schluckt er die Tränen der Enttäuschung herunter. Als dann ein Unfall passiert, kann Pelle nicht verstehen, warum die Strafe Gottes den Falschen trifft. Und Vater Lasse weiß immer seltener eine Antwort auf seine Fragen.

Teil 2

Als Pelle im nächsten Winter in die Schule gehen muss, interessieren ihn die Spiele der Fischerjungen viel mehr als die Buchstaben. Aber die Jungs lassen ihn nicht in ihre Gemeinschaft. Sein erstes Examen besteht er glänzend, so dass Lasse von nun an alle Hoffnungen auf eine glücklichere Zukunft in ihn setzt. Denn von sich selbst erwartet er schon lange nicht mehr, sie beide von diesem düsteren Hof fortzubringen. Aber wenigstens das Messer, das Pelle sich so sehr gewünscht hatte, schenkt er ihm zum Geburtstag und ahnt nicht, dass Pelle ihm kurz darauf damit das Leben retten wird.An einem Sonnabend Abend, als die Knechte und Mägde sich auf den Sonntag einstimmen und Lasse wie immer für alle Schnaps holt im Dorf, erscheint der Verwalter und es passiert etwas Schreckliches. Danach wird es noch düsterer sein auf dem Steinhof, denn die aufmüpfige Fröhlichkeit von Erik, dem Knecht, der erst am letzten Ziehtag gekommen war, wird fehlen. Pelle gerät ganz außer sich, als er den starken Erik am Boden liegen sieht. In seinen Fieberphantasien versucht er, mit dem Tod zu verhandeln. Dann tritt Madam Olsen in Lasses Leben, und er blüht noch einmal auf. Auch die dicke Melkerin Karna, die er jahrelang erfolglos umworben hatte, beginnt sich plötzlich für ihn zu interessieren. Für Pelle ist der Winter noch lange nicht vorbei. Er erlebt, wie eng das Leben der Fischer mit dem Tod verbunden ist. Auch diesmal fordert das Meer ein Opfer und wird es bekommen.

Teil 3

Doch es kommt ein neuer Sommer. Zum ersten Mal seit vielen Jahren können Lasse und Pelle am Johannistag mit zum Jahrmarktsfest fahren. Pelle taucht ein in die Farben und Rhythmen eines wunderbaren Festes. In der Nacht, in der die angetrunkene Fuhre wieder auf dem Steinhof landet, klingt das Weinen der Gutsherrin so schrecklich wie nie, dann verstummt es. Später erzählt man sich, dass es Frau Kongstrup selber war, die ihrem Mann mit einem einzigen Schnitt alle andern Frauen abgewöhnt hat. Dann kommt Madam Olsens für ertrunken erklärter Mann zurück und Lasses Welt bricht zusammen. Pelle verspricht, noch bis zur Konfirmation zu bleiben, doch dann verdrischt er ausgerechnet den Pastorensohn und sie müssen die Herrschaft demütig um Hilfe bitten. Nach der Konfirmation packt Pelle den großen Sack, mit dem sie vor sieben Jahren gekommen waren, und verlässt für immer den Steinhof.

Mitwirkende:
Frowin Wolter - Pelle als Kind
Cornelius Lipp - Pelle als älteres Kind
Odi Zahavi - Pelle als Halbwüchsiger
Hilmar Thate - Lasse
Hellmut Lange - Erzähler
Hilmar Eichhorn - Herr Kongstrup
Ramona Libnow - Frau Kongstrup
Dieter Bellmann - Verwalter
Ute Lubosch - Madam Olsen
Katarina Tomaschewsky - Johanne
Käte Koch - Kaufmannsfrau
Wolfgang Jakob - Lehrer Fries
Günter Grabbert - Alter Köller
Lars Jung - Kalle
Bärbel Röhl - Marie, 43 Jahre alt
Susanne Bard - Karna
Götz Schulte - Ole
Jörg Malchow - Gustav
Thomas Dehler - Per
Effi Rabsilber - Bodil
Jörg Dathe - Erik
Marco Albrecht - Anders
Anja Schneider - Sara
Felix Spyrka - Eleve
Klaus-Rudolf Weber - Kapitän
Klaus-Dieter Bange - Pfarrer
Wolfgang Boos - Karl Kalberg
Julia Maria Köhler - Marie, 19 Jahre alt
Karoline Teska - Anna
Jonas Jung - Henrik
Karl Stickler - Rud 1
Johannes Wilhelm - Rud 2
Richard Virgenz - Nilen
Emma Telemann - Elfriede
Leon Schlott - Peter Kure
Willi Telemann - Alfred
Moritz Mack - Albinus
Paul Hoorn - Blinder Hoyer

-/-