Der Pirat vom Bodensee

Mundarthörspiel von Daniel Goetsch

Musik: Martin Bezzola
Regie: Mark Ginzler
Produktion: SWR Freiburg 2012 / ca.53'

Eines Morgens schwimmt ein bemanntes Floß auf dem Bodensee. Vertreter sämtlicher Medien sind sofort in heller Aufregung und zur Stelle. Darunter auch der lang gediente Lokaljournalist Walter Bender aus der Schweiz und die junge ambitionierte Jenny Strass vom deutschen Bodensee TV. In einem Campingzelt auf dem Floß hat sich ein rätselhafter Mann verschanzt, der nach einer Weile eine Piratenflagge hisst. Die Öffentlichkeit rätselt über Sinn und Zweck der Aktion, und die drei Anrainerstaaten, Deutschland, Österreich und die Schweiz, installieren einen grenzüberschreitenden Krisenstab. Aufgrund der unterschiedlichen Mundarten und Mentalitäten kommt es zu Missverständnissen und zum üblichen Gerangel um Zuständigkeiten. Dabei stellt sich heraus, dass sich das Floß im Niemandsland befindet, denn außerhalb der Uferzone des Bodensees wurden nie Grenzen festgelegt. In vielerlei Hinsicht ein echter Grenzfall. Angeheizt von der brummenden Medienmaschinerie schlägt die Stimmung in der Öffentlichkeit um. Mancher bekommt es mit der Angst zu tun. Der Krisenstab steht unter Druck. Da meldet sich eine Kellnerin, die den »Piraten« angeblich kennt: es ist ein Schweizer Rentner, der jahrelang täglich in ihrem Café die Zeitung las und Nussgipfeli aß, und einmal soll er von der Wassernymphe Undine erzählt haben. Jenny Strass ist überzeugt, dass man es hier mit einem Romantiker zu tun hat. Nur der Eigenbrötler Walter Bender ahnt, dass die Geschichte des mysteriösen Floßmanns auf einen älteren Grenz-Fall zurückgeht.

Mit

Daniel Goetsch, geboren 1968 in Zürich, Studium der Rechtswissenschaft, lebt in Berlin. Diverse Veröffentlichungen, zuletzt die Romane »Ben Kader« (2006) und »Herz aus Sand« (2009). Arbeiten für Theater und Rundfunk: »Mir« (UA Schauspielhaus Zürich 2001), »Ammen«(UA Theater der Stadt Heidelberg 2003) sowie die Hörspiele »Das Hotel hat ein Loch« (SRF 2006), »Der Fleischgott« (WDR 2007) und »Kein Wort zu Oosterbeek« (WDR 2010).