Planetenfeuer
Science Fiction

von Max Haushofer

Regie: Martin Otter
Komposition: Christoph Nicolaus
Bearbeitung: Martin Otter
Produktion: BR 2010
Länge: 75'

Max Haushofers einziger Roman Planetenfeuer, 1899 erstmals und einmalig erschienen, entwirft München im Jahr 1999: In Deutschland hat sich der Staatssozialismus seit 100 Jahren bewährt. Das Land blüht, die Gesellschaft ist hoch entwickelt. Die Großindustrie ist zum Teil verstaatlicht, die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Staatsdienern und Pensionisten. Phantastische Erfindungen machen allen das Leben leichter. Die elektrische Flugbahn hat das Reisen pfeilschnell gemacht, in der Stadt bewegen sich die Menschen auf Rollschuhen fort. Pantoskope, glänzende Scheiben aus schwarzem Glas, sind das Medium, mit dem die Menschen weltweit in Ton und Bild miteinander kommunizieren. Brillen, die direkt mit dem Gehirn verbunden werden, lassen Blinde wieder sehen. Das Gedankenlesen ist zur erlernbaren Kunst geworden. Eine geheime Gesellschaft von Wissenschaftlern bringt Tote wieder zum Sprechen.

Trotz des allgemeinen Wohlstands herrscht in allen Bevölkerungsschichten eine nervöse Stimmung. Die Menschen berauschen sich mit legalen narkotischen Mitteln und sind von einer grauenhaften Krankheit bedroht, bei der sie sich, von umherirrenden Elektrobündeln infiziert, auf offener Straße zu Tode lachen. Die Nachricht einer drohenden Katastrophe versetzt die Welt in endgültige Aufruhr: Zwei ferne Planeten sind zusammen gestossen und haben ein riesiges Trümmerfeld im All hinterlassen. Die Erde rast unaufhaltsam auf dieses Planetenfeuer zu. Der Weltuntergang droht. In dieser Endzeitstimmung treffen in München die Freunde Georg Santen und Heinz Ruthardt auf die Freundinnen Ethel Tank und Ortrud von Haag. Sie verbringen die letzten Wochen vor dem Untergang mit gemeinsamen Ausflügen und Diskussionen über die Vor- und Nachteile der modernen Zeiten, in denen sie leben. Planetenfeuer ist Haushofers Vermächtnis und Utopie.

Der Roman changiert zwischen verblüffender Hellsichtigkeit und erschreckender Analyse einer möglichen Zukunft, die Licht und Schatten voraus wirft und ist zugleich ein wichtiges Dokument des Fin de siècle. Max Haushofer (1840 - 1907); Dichter und Professor für Nationalökonomie und Statistik. Mitglied verschiedener Münchner Literaturzirkel, u.a. Die Zwanglosen; Das Krokodil. Zahlreiche literarische Werke, u.a. Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits (1888); Die Verbannten (1890)