Der Process

Hörspiel in 12 Folgen

von Franz Kafka

Regie: Klaus Buhlert
Produktion: BR 2010
Länge: 12 Folgen jeweils ca. 50'

Josef K. wird der Prozess gemacht. Er weiß nicht wofür, jemand muss ihn verleumdet haben. Und dennoch akzeptiert Josef K. die Sachlage. Er erkennt die beiden Wächter, die ihn in Gewahrsam nehmen wollen, als Autoritäten an, leistet der ersten Vorladung vor das Gericht Folge und findet sich sogar ein zweites Mal unaufgefordert zum Verhör ein. Er will dem undurchdringlichen Gerichtswesen auf den Grund gehen und sucht fachkompetente Unterstützung beim Advokaten Huld, der Frau des Gerichtsdieners oder dem Gerichtsmaler Titorelli. Im Verhör beschimpft Josef K. das Gericht als Instanz absoluter Sinnlosigkeit und trifft damit womöglich seinen Kern und im selbstbetriebenen Fortgang des Prozesses verwirklicht sich schließlich ein Gesetz, das nicht die Schuld sucht, sondern von ihr angezogen wird. Josef K. macht sich selbst den Prozess, stellt sich - dem Autor nicht unähnlich - unter einen Generalverdacht der Schuld. Am Ende fällt Josef K. diesem Prozess zum Opfer und willigt in die Exekution ein.

Ein Jahr nach Kafkas Tod erschien im Berliner Verlag Die Schmiede der "Roman" Der Prozess. Die Zusammenstellung dieser Erstausgabe veranlsste Kafkas Freund Max Brod. Mit ihrer Veröffentlichung "avancierte Kafka zum Romancier mit Weltruhm" (Roland Reuß). Der Process aber ist Fragment geblieben. Kafka hinterließ eine nicht nummerierte, auf 16 Konvolute verteilte Handschrift. Doch dies hat bei einer breiten Leserschaft die Wahrnehmung eines geschlossenen Werks mit Anfang, Mitte und Ende nicht verhindert.

Die BR-Hörspielproduktion Der Process, die in ihrer Textgrundlage von den Handschriften Kafkas bzw. ihrer Umschrift ausgeht und sich auf die historisch-kritische Ausgabe des Verlags Stroemfeld/Roter Stern stützt, versteht sich als eine Auseinandersetzung mit dem Fragment gebliebenen Werk.

Mit: Rufus Beck, Samuel Finzi, Corinna Harfouch, Jürgen Holtz, Milan Peschel, Jeanette Spassova, Thomas Thieme, Manfred Zapatka

Franz Kafka, geb. 1883, gest. 1924. Jurastudium, 1906 Promotion, 1908-22 Beamter der Arbeiter-Unfalls-Versicherungs-Anstalt in Prag, frühzeitige Pensionierung, ab 1917 Erkrankung an Tuberkulose, an deren Folgen er im Alter von 41 Jahren stirbt. Werke u.a. Der Verschollene (1912), Die Verwandlung (1912), In der Strafkolonie (1914), Der Process (1915), Bericht für eine Akademie (1916), Brief an den Vater (1919), Ein Hungerkünstler (1922), Das Schloss (1922).