Rattenfang oder Die Sache der Friesen

von Janwillem van de Wetering
Aus dem Niederländischen von Erwin Peters
Hörspielbearbeitung und Regie: Peter Michel Ladiges
SWF / NDR 1988
52'

In der Nacht wird bei Oosterdok ein brennendes Ruderboot gesichtet, und am nächsten Morgen wird das ausgebrannte Boot mit einer verkohlten Leiche darin gefunden. Der Tote ist Douwe Scherjoen aus Friesland, ein Mann Ende 50, seiner krummen Haltung wegen wurde er für einen Bauern gehalten. Und: in seinem Kopf befindet sich ein Loch von einer Kugel. Douwe war ein reicher und unbequemer Friese, »ein Schurke, ein Lump«, wie Luitenant Sudema aus Dingjum meint. Adjutant Grijpstra, selbst Friese, und Brigadier de Gier recherchieren im friesischen Dingjum und stellen fest, daß sich die Trauer um Douwes Ableben in Grenzen hält. Nicht wenige haben einen Haß, nicht wenige ein Motiv. Sogar der Steuerfahnder, der immer wieder vergeblich versuchte, ihm auf die Schliche seiner dubiosen Geschäfte zu kommen. Außerdem sind da wütende marokkanische Viehhändler und ein chinesischer Restaurantbesitzer. Und so allmählich entpuppt sich der alte Scherjoen als friesischer Al Capone. In diesem friesischen Sumpf stochern die Polizisten aus Amsterdam nach Zusammenhängen und der Bestätigung des Friesenvorurteils.

Janwillem van de Wetering, geboren 1931 in Rotterdam als Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, reiste viele Jahre durch die Welt, begann in London ein Philosophiestudium, das er abbrach, um 1958 die Antwort auf seine existentiellen Fragen in einem Zen-Kloster zu suchen. Dort verbrachte er anderthalb Jahre, »ein einschneidendes Erlebnis«, wie er sagt und worüber er 1973 sein erstes Buch schrieb, »Der leere Spiegel«.
Nach Amsterdam zurückgekehrt, ging er jahrelang als uniformierter Polizist Streife, eine Art Wehrersatzdienst, denn durch seine langen Auslandsaufenthalte hatte er sich dem Militärdienst entzogen – und begann, Kriminalromane zu schreiben. Seit 1976 lebt er mit seiner Familie in Maine/USA und ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Niederlande.
Es ist die koloniale Vergangenheit Hollands, die Weterings Amsterdamer Atmosphäre prägt. Seine Betrachtung der begangenen Verbrechen ist leidenschaftslos und unideologisch; die stille, aber spannungsgeladene Ruhe korrespondiert mit einer lakonischen Erzählweise; das Gleichmaß der Dinge, denen ein tieferer Sinn zu fehlen scheint, wird mit einer Art Zen-Gelassenheit betrachtet.