Der Reaktor

nach dem gleichnamigen Roman von Elisabeth Filhol

aus dem Französischen von Cornelia Wand
Musik: Vredeber Albrecht
Hörspielbearbeitung: Christoph Kalkowski, Ben Neumann
Regie: Christoph Kalkowski
Produktion: SWR 2012
Buchausgabe: Edition Nautilus

Drei Selbstmorde hat es gegeben unter den Arbeitern im Atomkraftwerk. Einer der Toten ist Loïc, Yanns bester Freund, mit dem zusammen er schon seit Jahren als Zeitarbeiter im Rhythmus der jährlichen Wartungen von Reaktor zu Reaktor zieht. »Neutronenfutter« nennen sich diese Leute selbst, denn für jeden, der wegen zu hoher Strahlenbelastung ausfällt, gibt es sofort willigen Ersatz. Die Arbeiter leben im Wohnwagen oder im Hotel, vereint durch eine gewisse Solidarität, die sich aber bei der fehlenden Arbeitsplatzsicherheit und dem Stress unter der nuklearen Bedrohung schnell verbraucht.

Yann hat beim Einsatz im Primärkreislauf einen verstrahlten Gegenstand berührt, ein kleiner Störfall nur, der nun genau rekonstruiert wird. Dabei schweifen seine Gedanken immer wieder ab, hin zu seinem Freund Loïc, der inzwischen nicht mehr lebt. Sein Selbstmord ist nur erklärbar vor dem Hintergrund dieser eigentümlich abgeschlossenen Sphäre, in der allenfalls Zwecksolidarität, keine Freundschaft existiert. Eine Bindung zum ungreifbar fernen Energiekonzern besteht nicht, weil man sich am Ende einer Kette von Subunternehmen befindet. Darin nämlich besteht die Leistung dieses Romans, so kunstvoll wie lakonisch das Leben dieser Nomaden im weltenthobenen Umfeld der Reaktoren zu beschwören. (Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Elisabeth Filhol geboren 1965 im französischen Mende, studierte Wirtschaftswissenschaft an der Universität Paris-Dauphine und hat im industriellen Sektor als Buchprüferin, im Finanzwesen, in der Wirtschaftsanalyse und als Beraterin von Betriebsräten gearbeitet. Heute lebt sie in Angers. »Der Reaktor«, in Frankreich 2010 unter dem Titel »La Centrale« erschienen, also vor dem Unglück von Fukushima, ist ihr erster Roman und wurde mit dem Prix France Culture-Télérama ausgezeichnet.