Reise, Toter

von Durs Grünbein und Ulrike Haage

Realisation: Ulrike Haage
Produktion: BR/HR 2001
Länge: 50'

Erschrockener Hörer, dies ist alles andere als eine Folge bloßer Abgesänge. Denn wie im Märchen will das Fürchten erlernt sein. Eines Tages vielleicht kehrt es als Stimme wieder, als intime Erinnerung, und besänftigt den Mahlstrom der reißenden Zeit. Das Leben dauert einen Nachruf lang, und wenn es gut ging, war es eine Reise (Grünbein/Haage).

Dieses Motto haben der Lyriker Durs Grünbein und die Musikerin Ulrike Haage für ihre gemeinsame Arbeit gewählt, eine Hörspielkomposition aus Miniaturdramen von Durs Grünbein, in denen ungewöhnliche, ebenso komische wie tragische Todesfälle erzählt werden. Geschliffene Epigramme wechseln mit Nachrufen aus einer fernen Gegenwart. Dazwischen sucht eine Stimme nach Halt, indem sie zum Anfang zurückzielt, in die früheste "uterine"" Kindheit. "Bin gleich zurück"", die lapidare Schlusszeile eines Epitaphs spielt mit dem Unbekannten, dem Überraschenden, Paradoxen, das dem Tod anhaftet. Kein Wunder, dass in manchen Kulturen das Gelächter die Trauerklage ersetzt.

Mit: Frank Glaubrecht, Hanns Zischler, Meret Becker, Judith Vogel, David Greiner

Durs Grünbein, geboren 1962 in Dresden, gilt mit seinen Gedichtbänden wie "Schädelbasislektion"" (1991) oder "Nach den Satiren"" (1999) als einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschsprachigen Lyriker. 1995 wurde er mit dem Georg BüchnerPreis ausgezeichnet.

Ulrike Haage, geboren 1957 in Kassel, arbeitet als Pianistin und Komponistin in Grenzbereich von Pop und Jazz. Daneben realisiert sie eigene Hörstücke nach Texten u.a. von Eva Hesse oder Louise Bourgeoise.